Afrikanische Schweinepest: Die wichtigsten Informationen

Symptome, Maßnahmen, rechtliche Regelungen - Hier finden Sie alles rund um die ASP. Über aktuelle Meldungen zur Ausbreitung informieren wie Sie unter der Rubrik "Aktuelles".

  • Feine, punkt­- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut sind ein Hinweis auf ASP.    Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

    Feine, punkt­- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut sind ein Hinweis auf ASP. Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

  • Blutige Lymphknoten sind ein Hinweis auf ASP.     Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

    Blutige Lymphknoten sind ein Hinweis auf ASP. Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

  • Bei mit ASP befallenen Tieren sind Lunge und Atemwege häufig mit Schaum gefüllt.   Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

    Bei mit ASP befallenen Tieren sind Lunge und Atemwege häufig mit Schaum gefüllt. Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

  • Erkranktes Wildschwein.   Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

    Erkranktes Wildschwein. Foto: Sandra Blome, Friedrich-Loeffler-Institut

22.11.2017

Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion bei Haus- und Wildschweinen mit meist tödlichem Krankheitsverlauf. Einen Impfstoff dagegen gibt es nicht. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar und auch andere Tiere sind nicht empfänglich. Eine Einschleppung nach Deutschland würde aber neben den Auswirkungen für die Tiere auch enorme wirtschaftliche Folgen mit sich bringen.

 

Seit 2014 tritt die ASP verstärkt in den baltischen Staaten und in Polen sowie in den angrenzenden Ländern Ukraine, Weißrussland und Russland auf. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara. In Deutschland ist die Krankheit bisher noch nie aufgetreten, Experten schätzen das Risiko einer Einschleppung aber als sehr hoch ein. Und tatsächlich rückt die Gefahr immer nächer: Nach mehreren Fällen in Tschechien berichten Medien seit Ende November 2017 auch von einem Ausbruch in Warschau (Polen).

 

 

 Damit Sie über alles Wichtige informiert sind, klären wir hier die wichtigsten Fragen:

Aktuelle Informationen finden Sie stets in unserer Rubrik "Aktuelles". Wöchentlich aktualisierte Karten, die die Verbreitung der ASP anzeigen, finden Sie auf der Homepage des Friedrich-Loeffler-Instituts.

 

 

Erlass des Ministeriums Ländlicher Raum

Um einen Ausbruch in Baden-Württemberg zu verhindern, hat das hat das zuständige Ministerium am 3.11.2017 einen Erlass zum Monitoring und zu Präventionsmaßnahmen herausgegeben. Die wesentlichen Botschaften sind:

  • Intensivierung des Monitorings bei Schwarzwild auf Erreger der Schweinepest
  • Untersuchungspflicht bei tot aufgefundenem Schwarzwild (Fallwild) bzw. bei erlegtem Schwarzwild mit bedenklichen Merkmalen. Für diese Tiere wird eine Prämie von 25,50 € je zur Untersuchung gebrachtem Stück ausbezahlt.
  • Intensivierung der Bejagung von Schwarzwild und Beseitigung von Bejagungshindernissen. Dabei werden insbesondere Regelungen zur Verwendung künstlicher Lichtquellen und dem versehentlichen Abschuss von zur Aufzucht notwendigen Bachen getroffen. Wildbiologisch sind Bachen nicht mehr zur Aufzucht notwendig, wenn die Frischlinge ihre Streifen verloren haben. Bachen können aber dennoch in der Rotte diese Frischlinge führen.

Das LJV-Präsidium hat sich mit diesem Erlass beschäftigt und dazu ergänzende Forderungen gestellt. Es geht uns vor allem um die Beachtung der Waidgerechtigkeit beim notwendigen Reduktionsabschuss und um eine Erweiterung der Präventivmaßnahmen (z.B. Aussetzen der Jagdruhe im März und April).

 

 

Interview mit Dr. Sandra Blome

Weitere Informationen rund um die ASP enthält auch unser Interview mit Dr. Sandra Blome. Sie ist Fachtierärztin für Virologie und stellvertretende Institutsleiterin für Virus­diagnostik am Friedrich­ Loeffler-Institut in Greifswald. Sie leitet zudem das Natio­nale Referenzlabor für Klassische und Afrikanische Schweinepest.

 

LJV: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt?

Dr. Sandra Blome: Ende Juni meldete die Tschechische Republik erste Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen im Osten des Landes. Auch aufgrund der Lage in Polen, den baltischen Staaten und in mehreren osteuropäischen Ländern bewertet das Friedrich­Loeffler­Institut das Risiko einer Einschleppung als hoch.

 


LJV: Weiß man, welche Infektionsquelle den Ausbruch in Tschechien verursacht hat?

Blome: Derzeit verfügbare Informationen deuten auf eine mögliche Einschleppung durch den Menschen hin. Es wird vermutet, dass der Fahrzeug- und Personenverkehr, beziehungsweise die unsachgemäße Entsorgung von (Wild-) Schweinprodukten eine Rolle gespielt haben könnte.

 


LJV: Was können wir tun, um einen Ausbruch in Baden-Württemberg zu verhindern?
Blome: Erhöhte Wachsamkeit ist nicht nur für Schweinehalter, Jäger und Tierärzte, sondern allgemein angezeigt. Tot aufgefundene Wildschweine sind den zuständigen Behörden zu melden, diese veranlassen dann eine Untersuchung sowie die unschädliche Beseitigung der Kadaver. Sollte es zur Einschleppung in die Wildschweinbestände in Deutschland kommen, so muss dies so früh wie möglich erkannt werden. Nur dann besteht die Chance, die Tierseuche erfolgreich zu bekämpfen.

 


LJV: Was können Jäger noch machen?

Blome: Generell gilt: Vorsicht bei Jagdreisen; bei hohen Schwarzwilddichten den Bestand verringern; tot aufgefundene Tiere melden und untersuchen lassen. Besondere Bedeutung kommt aber den Hygienemaßnahmen zu. Kleidung und Fahrzeug sollten nicht mit Wildschweinblut kontaminiert werden, beim Aufbrechen sollte der Jäger Handschuhe tragen. Außerdem sollten alle Werkzeuge, die Schuhe und der Transportbehälter nach der Benutzung gründlich gereinigt werden.

 


LJV: Wie lange kann der Erreger nach dem Tod des Schweins überleben?
Blome: Der Erreger ist gegenüber Umwelteinflüssen sehr resistent, wobei aber Temperatur, Eiweißquellen und Feuchtigkeit eine wichtige Rolle spielen. Fäulnis und Sonnenstrahlen können dem Virus nur wenig anhaben – es bleibt auch während des Verwesungsprozesses des Schweins mehrere Wochen bis Monate
infektiös. In Schlachtkörpern und Blut ist das Virus monatelang, in Gefrierfleisch sogar jahrelang vermehrungsfähig.

 


LJV: Und wenn das Fleisch erhitzt wird?
Blome: Eine Hitzeinaktivierung erfolgt bei einer Temperatur von 56 °C über 70 Minuten, beziehungsweise bei 60 °C über 20 Minuten. Bei der Verarbeitung von Fleisch und Fleischprodukten wird das Virus erst bei einer Kerntemperatur von 69 °C inaktiviert.

 

 

LJV: Wie wird der Erreger übertragen?

Blome: Die Übertragung des Virus kann sowohl direkt über Tierkontakte, als auch indirekt erfolgen. In Afrika wird das Virus von Warzenschweinen über Lederzecken in die Hausschweinpopulation eingetragen.

 

 

LJV: Können uns die Zecken hier auch zum Verhängnis werden?
Blome: Nein. In mitteleuropäischen Ländern haben Zecken keine Bedeutung für die Verbreitung. Hier ist die direkte Übertragung durch Kontakt zu infizierten Schweinen, tierische Produkte, aber auch über Speiseabfälle möglich. Der Kontakt mit Blut ist aber der effizienteste Übertragungsweg.

 


LJV: Was ist mit Tierkadavern?
Blome: Welche Rolle Kadaver spielen, wissen wir noch nicht genau – das ist daher Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten.

 


LJV:
Wie lang können erkrankte Tiere eigentlich noch überleben?

Blome: Erkrankte Tiere sterben für gewöhnlich binnen einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome, manchmal können es auch zwei oder drei Wochen sein. Vereinzelt überstehen sie die Erkrankung sogar und genesen mit der Zeit vollständig.

 


LJV: Welche Konsequenzen hätte der Ausbruch für Jäger und Landwirte?

Blome: Details regeln die Schweinepestverordnung und die Durchführungsbeschlüsse der EU. Die konkreten Maßnahmen beim Schwarzwild richten sich an der jeweiligen Situation aus. Zunächst wird ein gefährdeter Bezirk mit initial circa 15 Kilometer Mindestradius um den Abschuss- oder Fundort eingerichtet. Die Gebietsgröße und der Grenzverlauf werden je nach Risikobewertung festgelegt. Dabei spielen Kriterien wie Habitat, Jahreszeit, Nahrungsangebot, Wildschweinpopulation, Tierbewegungen, natürliche und künstliche Hindernisse und Überwachungsmöglichkeiten eine Rolle. Alles Weitere hängt vom Verlauf des Seuchengeschehens und der entsprechenden Zonen ab.

 

Interview: Verena Menauer

 

 

Erstellt am 22.11.2017
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