Sorge um das Auerwild im Schwarzwald

Jäger zählen und unterstützen die seltenen Hühnervögel

14.08.2015

Noch gibt es sie, die großen, schwarz glänzenden Hähne mit den markanten roten „Augenbrauen“, die an Balzplätzen im Schwarzwald ab März um ihre deutlich kleineren, bräunlich gefiederten Hennen werben. Jedoch sind es weniger geworden: nur noch knapp 250 Auerhähne und ähnlich viele Hennen tummeln sich im Schwarzwald; davon gehen Experten nach der diesjährigen Frühjahrszählung aus. Auch wenn die exakte Zahl der scheuen Vögel zwar nie ganz genau erfasst werden könne, sei durch die einheitliche Methodik der Trend der Bestandesentwicklung seit dem Beginn der Erhebungen im Frühjahr 1971 recht gut ablesbar, erläutert Klaus Lachenmaier, Wildtierexperte beim Landesjagdverband Baden-Württemberg (LJV) : „Wir sorgen uns um die weitere Entwicklung des Auerwilds im Schwarzwald, da der leichte Anstieg der Population bis zum Jahr 2012 sich leider in einen Abwärtstrend verwandelt hat.“

 

Bei der Mitgliederversammlung der Auerwildhegegemeinschaft (AHG) im Regierungsbezirk Freiburg am 25.7. in Menzenschwand stellte der Vorsitzende Dr. Gerrit Müller gemeinsam mit dem Koordinator für den Regierungsbezirk Karlsruhe Klaus Roth die aktuellen Zahlen vor. 243 Hähne waren von den für das Monitoring verantwortlich zeichnenden Jägern und Förstern an den Balzplätzen beobachtet worden. Dies sind 7% weniger als im Vorjahr und 23% weniger als im Jahr 2012, das am Ende einer 8-jährigen Periode mit einem stabilen Bestand von gut 300 Hähnen stand. Diese dürfte eine direkte Folge des „Jahrhundertfrühlings- und sommers“ 2003 mit idealen Brut- und Aufzuchtbedingungen gewesen sein, gab es doch 2004 und 2005 in den bereits durch Orkan „Lothar“ aufgelichteten Hochlagenwäldern eine spürbare Zunahme der Hähne auf den Balzplätzen. Die Fachliteratur gibt einem Auerhahn in freier Wildbahn noch rund 10 Jahre Lebenszeit, wenn er das kritische erste Lebensjahr überstanden hat. Die letzten Veteranen des geburtenstarken Jahrgangs 2003 haben sich dieser Angabe folgend gerade für immer verabschiedet. Da weitere für den Auerwildnachwuchs wirklich günstige Frühjahre seither ausblieben, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Zahl der Hähne entsprechend verringert hat. Für die Hennen wird eine gleichsinnige Bestandesentwicklung angenommen. Sie haben zwar eine geringere Lebenserwartung, dafür aber als Küken zumindest theoretisch bessere Überlebenschancen bei nass-kalten Witterung. Sie brauchen dann weniger Nahrung als die doppelt so rasch wachsenden männlichen Geschwister. Leider lassen sie die unberechenbaren und stets auf Deckung und Tarnung bedachten Hennen weder am Balzplatz noch anderswo zählen. Sie tauchen öfters als Hähne gelegentlich an Orten auf, wo lange kein Auerwild mehr gesehen wurde. Das kann ein gutes Zeichen sein, das auf eine Ausbreitung der Population hindeutet – oder aber ein schlechtes, das auf Störungen oder Lebensraumverluste an anderen Orten schließen lässt. Letztere Variante ist leider wohl die realistischere, zeigte doch die letzte Areal-Erhebung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA)  in Zusammenarbeit mit AHG und den Auerwildhegeringen im gesamten Schwarzwald 2013 einen Arealschwund um 15 % im Vergleich zur regelmäßigen Verbreitungsfläche von 2008. Während sich im Nordschwarzwald die Situation gegenüber 2014 mit 171 nur um 4 Hähne verschlechtert hat, gab der Bestand südlich der Kinzig nochmals um 15% nach und lag mit nur noch 72 Exemplaren knapp 30% unter der Zahl von 2012 mit 102 Hähnen. Besonders ins Auge springt der plötzliche Rückgang der Hähne im Gebiet des Mittleren bzw. des östlich anschließenden Baar-Schwarzwalds. Hier war 2015 ein Drittel der 2014 bestätigten Hähne nicht mehr am Balzplatz. An 4 Orten zeigten sich stattdessen verhaltensauffällige Hähne, von denen Federn bzw. Losung zur genetischen Identifizierung an die FVA gegeben wurden um zu prüfen, ob es sich um das gleiche oder aber verschiedene Tiere handelt.

 

Die seit drei Jahren sinkende Population macht den Jägern Sorgen. „Noch liegt das im Rahmen von natürlichen Schwankungen der Population“, so die beiden Koordinatoren der Balzplatzzählungen Roth und Müller, „aber der Langzeittrend ist negativ und die Schwierigkeiten für die Auerhühner haben sich trotz des Aktionsplans Auerhuhn des Landes leider vermehrt.“ Der LJV stellt fest, dass der verbliebene Lebensraum zahlreichen Einflüssen ausgesetzt ist, die sich negativ für die empfindlichen Auerhühner auswirken, so die erheblich zunehmende touristische Erschließung entlegener Waldgebiete durch E-Bike und Mountainbike, durch neue Natur- und Erlebnissportarten, Geocaching und neue Wintersportarten. Hinzu kommen zunehmende Anträge auf Großveranstaltungen wie Mountainbikerennen, Ultramarathons, Hundeschlittenrennen in Auerhuhngebieten, sogar Großfeuerwerke planen Touristiker ohne Rücksicht auf Schutzgebiete und Wildtiere. Weitere Lebensraumverluste bzw. Störungen drohen durch Windkraftanlagen, Pumpspeicherkraftwerke und nicht zuletzt die Waldentwicklung mit ihrer anhaltenden Tendenz zu hohen Holzvorräten mit entsprechend dichten Beständen. Zumindest im Staatswald erwartet der LJV weiterhin große Anstrengungen in der Lebensraumpflege. Forst BW hat in vielen Bereichen des Schwarzwaldes eine große Verantwortung für den Erhalt des Auerhuhns und durch den Aktionsplan Auerhuhn auch die Handhabe für adäquate Maßnahmen.

 

Die Jäger bemühen sich, die seit 1971 nicht mehr bejagte Vogelart zu erhalten. Gemeinsam mit den Förstern tragen sie alljährlich zur Bestandszählung der Auerhühner bei. In so genannten Hegeringen und Hegegemeinschaften hat sich die Schwarzwälder Jägerschaft bereits vor 30 Jahren zum Schutz der Auerhühner organisiert, auch das 2014 verabschiedete Jagd- und Wildtiermanagementgesetz des Landes Baden-Württemberg ermöglicht die Fortführung dieser bewährten Organisationsform. Die Jäger selbst wollen den bedrohten Vögeln durch verstärkte Bejagung ihrer immer zahlreicher gewordenen natürlichen Feinde, vor allem des Fuchses, helfen. Wildbiologe Lachenmaier schätzt, dass es heute mehr als dreimal so viele Füchse gibt wie Ende der 1980er-Jahre. Der Vermehrung der Füchse steht ein starker Rückgang der Auerhühner im gleichen Zeitraum gegenüber. Damit die Bejagung der Beutegreifer zum Wohl des Auerwilds wieder intensiviert wird, hat der LJV ein Projekt mit Auerwildhegeberatern im Schwarzwald gestartet, die sich u.a. auch um die sinnvolle Verwertung von Pelzen kümmern. So gibt es inzwischen das Label „Schwarzwaldpelz aus nachhaltiger Jagd“, das für nachhaltige und naturverträgliche Pelznutzung wirbt.

 

Der Aktionsplan Auerhuhn wurde unter Federführung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg mit Wissenschaftlern, Naturschützern, Förstern und Jägern erarbeitet und bildet die Grundlage für die gemeinsamen Anstrengungen zum Erhalt der Auerhühner. Dessen Inhalte und Aktionen werden beim Auerhuhntag am 26. und 27.September in Todtnauberg vorgestellt.

Erstellt am 14.08.2015
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