Wir brauchen ein praxistaugliches Wildschadenssystem!

Jäger werden zum finanziellen Ausgleich von Schäden durch Pachtverträge verpflichtet. Dies bedeutet, dass durch Wildschweine umgegrabene Wiesen oder gefressenes Korn ersetzt werden muss. Kosten, die sich schnell in den vierstelligen Bereich aufsummieren.

  • Wildschweine können im Grünland enorme Schäden anrichten. Foto: E. Marek

    Wildschweine können im Grünland enorme Schäden anrichten. Foto: E. Marek

Erstellt am 29.04.2017

Die verschuldensunabhängige Wildschadensersatzhaftung ist seit jeher Gegenstand mitunter intensiv geführter Diskussionen. Mit Inkrafttreten des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes zum 1. April 2015 eingeführte Änderungen der gesetzlichen Regelungen für Wildschadensersatzverfahren, nach denen u. a. Gemeinden als Schlichter wegfallen und Wildschadensschätzer als Parteigutachter tätig werden, haben dazu zu einer Verunsicherung von Jagdpächtern und Landwirten geführt.  

 

Selbstverständlich tragen die Jäger vor Ort eine große Verantwortung für die Prävention von Wildschäden, vor der sie sich auch nicht drücken wollen. Jedoch kann es nicht sein, dass Jäger bei explodierenden Kosten alleine im Regen stehen gelassen werden oder Streitigkeiten um den Schadensumfang ausarten. Dies führt zu unverpachteten Revieren.  

 

Im Koalitionsvertrag hat die grün-schwarze Regierung angekündigt, sich um Wildschadensregelungen zu kümmern, die die Kosten nicht stets allein auf die Schultern der Jagdpächter abwälzt. Denn sie allein können die Probleme trotz intensiver Bejagung nicht lösen.  

 

Nun müssen den Ankündigungen auch Taten folgen.  

 

Ein Wildschadensausgleichsystem auf regionaler Ebene könnte hier die Lösung sein. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Probleme mit Wildschäden nur gemeinsam von Jägern, Grundstückseigentümern und Landbewirtschaftern gelöst werden können, könnten neue Wege durchs Wildschadensdickicht geschlagen werden.  

  1. Bagatellschäden gehören bei einer gerechten Verteilung von Wildschadenslasten ausgeblendet. Sie verursachen mehr Kosten als die eigentliche Schadsumme ausmacht.
  2. Landwirte und Flächenbewirtschafter werden durch Sachbeiträge unterstützend bei der Vermeidung und Abwehr von Wildschäden tätig, erleichtern die Bejagung. Dies kann zum Beispiel durch ausreichend Abstand von Mais- und Rapskulturen zum Wald oder zu Feldgehölzen erfolgen oder durch die Mitteilung von Saat- und Ernteterminen sowie durch Unterstützung bei Wildschadensabwehrmaßnahmen.
  3. Schwarzwild, das im Wald keine Schäden verursacht und dort oft nur extensiv bejagt wird, geht in den angrenzenden Feldrevieren zu Schaden. Hier müssen die „Waldjäger“ auch in die Pflicht genommen werden. Vorschlag: Sowohl „Feld-“ und „Waldjäger“ als auch die Grundstückseigentümer bzw. Verpächter finanzieren aus Pacht, Verpachtung oder Eigennutzung solidarisch zumindest anteilig die aufkommenden Kosten.  

Der Landesjagdverband fordert daher den Gesetzgeber auf, für praxisorientierte Lösungen zu sorgen!

Erstellt am 24.05.2017
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