Verminderung von Schwarzwildschäden

Wildschäden durch Schwarzwild mindern und verhindern - Faltblatt mit gemeinsamen Empfehlungen

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg, der Landesbauernverband in Baden-Württemberg, der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband, der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer sowie die Wildforschungsstelle Baden-Württemberg haben ein Faltblatt mit gemeinsamen Empfehlungen für Landwirte und Jäger erarbeitet.

Die Schwarzwildbestände sind in den letzten 20 Jahren aus vielerlei Gründen in Deutschland und im übrigen Mitteleuropa enorm angewachsen. Gleichzeitig haben die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere Mais, Getreide und Wirtschaftsgrünland, stark zugenommen. Bauernverbände, Wildforschungsstelle, Landesjagdverband und der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer rufen Landwirte und Jäger deshalb auf, Wildschäden gemeinsam zu vermeiden, zu mindern und einvernehmlich zu regeln.

 

Grundsätzliches

Im Vordergrund muss die Verhinderung von Wildschäden stehen, nicht der mögliche Schadensersatz. Es sind nur tatsächliche, durch Wild im Rahmen der gesetzlichen Regelungen (und ggf. im Rahmen des Jagdpachtvertrages) verursachte Schäden ersatzpflichtig, nicht z. B. Mindererträge durch Anbaufehler, witterungsbedingte Einflüsse, Krankheiten, Schädlinge u. ä.

Wildschäden sollten vom Bewirtschafter grundsätzlich immer bei der zuständigen Gemeinde angemeldet werden, auch wenn eine gütliche Einigung außerhalb eines behördlichen oder gerichtlichen Verfahrens angestrebt wird. Die gütliche Einigung muss das Ziel aller Beteiligten sein. Deshalb gilt: Sachlichkeit erleichtert das Verfahren - miteinander reden schafft Vertrauen - gemeinsames Handeln hilft Schäden zu vermeiden oder zu vermindern!

 

Rechtsgrundlagen

Der Ersatz von Wildschäden sowie das Verfahren sind gesetzlich geregelt (§§ 26 - 35 BJagdG, §§ 31 - 32 LJagdG, § 249 BGB, §§ 15 - 23 LJagdGDVO).

Ersatzpflichtig sind danach Schäden, die- von Schalenwild, Wildkaninchen und Fasanen verursacht wurden,- an Grundstücken, Feldfrüchten, Grünland und Weinbergen entstanden sind sowie Schäden an geernteten, aber noch nicht eingelagerten Feldfrüchten,- innerhalb einer Woche nach Kenntnis bei der zuständigen Gemeinde schriftlich oder zur Niederschrift angemeldet wurden.

Die Rechtsprechung verlangt vom Bewirtschafter regelmäßige Kontrollen gefährdeter Flächen (mindestens einmal pro Monat).

Wenn der Bewirtschafter die Kulturen wilddicht eingezäunt hat, sind auch Schäden ersatzpflichtig an Gärten (dazu zählen auch Golf- und sonstige Rasensportplätze), Freilandpflanzungen von Gartengewächsen und hochwertigen Handelsgewächsen (Urteile liegen z. B. vor für Erdbeeren, Spargel, Grüne Bohnen, Rosenkohl, Kohlrabi, Kopfsalat, Endivie, Eissalat, Sonnenblumen, Hopfen, Hybridmais in Zuchtgärten), Obstbäumen in Obstgärten sowie Baumschulen, Alleen und Einzelbäumen.

Nicht ersatzpflichtig sind durch Wildschaden verursachte Folgeschäden, z. B. an landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, Personen und Vieh.

 

Wichtige Hinweise

Wenn zwischen der Meldung des ersten Schadens und der Ernte weitere Schäden auftreten, sind diese jeweils getrennt zu melden.

Gefährdete Flächen sollten wenige Tage vor der Ernte nochmals kontrolliert werden. Werden Schäden trotzdem erst während der Ernte erkannt, wird eine Schadensermittlung nach der Ernte unter Zuziehung von Zeugen und/oder Fertigung von beweiskräftigem Bildmaterial empfohlen.

 

Gegenseitige Information

Landwirte und Jagdpächter sollten über gemeinsame Probleme reden, mindestens ein jährlicher Informationsaustausch ist sinnvoll. Der Landwirt sollte den Jäger insbesondere rechtzeitig über Saattermine wildschadensanfälliger Kulturen in gefährdeten Lagen (Waldnähe) informieren, damit dieser dann ggf. entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen kann.

Der Jäger darf Jagdeinrichtungen (auch mobile) grundsätzlich nur nach vorheriger Absprache mit Grundeigentümern bzw. Bewirtschaftern aufstellen. Der Landwirt sollte im Gegenzug jagdliche Einrichtungen tolerieren, wo sie die Bewirtschaftung nicht erheblich stören.

 

Möglichkeiten der Schadensminderung

Der Anbau gefährdeter Kulturen an Waldrändern oder größeren Feldgehölzen erhöht die Gefahr von Wildschäden. Dies sollte der Landwirt bei der Anbauplanung berücksichtigen und zwischen Waldrand/Feldgehölzen und Anbaufläche einen mindestens 5 m breiten, zur Bejagung wichtigen Streifen freilassen und dessen Bewuchs niedrig halten(Hinweis: beim gemeinsamen Antrag diesen Streifen herausnehmen). Der Jagdpächter sollte bereit sein, diesen Streifen als Wildäsungsfläche vom Landwirt zu pachten.

Bei Schäden nach der Aussaat sollte möglichst rasch nachgesät werden. Der Jagdpächter trägt die Kosten für Saatgut, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz und ggf. Minderertrag auf Nachsaatflächen.

Wenn bei Totalschaden keine Nachsaat mehr möglich ist, ist der Landwirt zur Schadensminderung durch Anbau einer anderen Frucht verpflichtet. Schadensgefährdete Schläge (z. B. am Waldrand) sollte der Landwirt so früh wie möglich ernten.

Der Jäger kann die Feldflur durch Ablenkungsfütterungen im Wald (wo zulässig) und Anlegen spezieller Schwarzwildäcker (z. B. mit Futterleguminosen wie Ackerbohnen, Futtererbsen, Rotklee usw.) entlasten. Er kann das Wild in wildschadensgefährdeten Zeiten durch hohen Jagddruck im Feld und Jagdruhe auf Schwarzwild im Wald (auch und gerade in reinen Waldrevieren) lenken.

 

Schutzmaßnahmen, Duldung und Unterhaltung

Beizen von Saatgut: Die gegen Vogelfraß zugelassenen Mittel helfen i. d. R. auch gegen Schwarzwild. Vorschlag zur Kostenteilung: Das Beizmittel übernimmt Jagdpächter, die Arbeitskosten der Landwirt.

Bei der Aussaat gefährdeter Feldfrüchte sollte der Landwirt für die Errichtung von Elektro-Schutzzäunen ausreichend Abstand vom Feldrand frei lassen. Der Jäger sollte bei gefährdeten Kulturen Schutz- oder Vergrämungsmaßnahmen (Elektrozaun, optische, akustische, geruchliche Schrecken) so rechtzeitig anbringen, dass keine Schäden entstehen.

Der Landwirt darf vom Jagdpächter angebrachte Elektrozäune oder andere Schutzmaßnahmen nicht unwirksam machen. Wenn Schutzeinrichtungen bei der Bewirtschaftung beschädigt, außer Funktion gesetzt oder entwendet wurden, sollte er umgehend den Jagdpächter verständigen sowie diesen rechtzeitig vor der Ernte benachrichtigen, damit Zäune oder andere Schutzmaßnahmen entfernt werden können.

Für die Unterhaltung der Funktionsfähigkeit der Schutzmaßnahmen (z. B. Ausmähen des Elektrozauns) ist der Jäger verantwortlich. Bei Ertragsausfall aufgrund von Schutzmaßnahmen (z. B. Elektrozaun) haben sich Jäger und Bewirtschafter über die Kostenerstattung dafür zu verständigen.

 

Vermeiden von Schäden in Folgekulturen

Auf abgeernteten Maisschlägen vor Bodenbearbeitung und Neueinsaat wird zur Vermeidung von Schäden in der Folgefrucht ein Absammeln von Bruchkolben bzw. das Abeggen von Ernterückständen empfohlen (in jedem Fall bei größeren Mengen).

Wenn Wildschaden Ursache für erhöhte Rückstände ist, ist der Jagdpächter zur Entfernung verpflichtet, ggf. zur Kostenerstattung, wenn der Landwirt das Räumen übernimmt. Falls andere Ursachen (Witterung, unsachgemäße Ernte, Schädlingsbefall) für erhöhte Rückstände verantwortlich sind, ist der Landwirt selbst zum Säubern des Feldes verantwortlich, sonst hat er keinen Anspruch auf Schadensersatz in der Folgefrucht wegen "Mitverschuldens" (§ 254 BGB). Bei unklarer Sachlage (mehrere Schadursachen gleichzeitig) müssen Jäger und Landwirt eine gütliche Einigung suchen.

 

Schäden an Grünland

Bei Schäden, die zeitnah von Hand beseitigt werden können, sollte der Landwirt die Behebung durch den Jäger zulassen. Bei anderen Schäden ist die günstigste Art der Sanierung zu wählen. Oft genügt eine Bearbeitung der geschädigten Fläche mit Mulchgerät oder Wiesenhobel, wobei der Samenvorrat im Boden ausgenutzt wird.

 

Streuobstwiesen, Landschaftspflegeflächen, Stilllegungsflächen

In Streuobstwiesen vermindert das Absammeln von Fallobst die Attraktivität für Schwarzwild. Dies darf der Jagdpächter nur mit Erlaubnis des Bewirtschafters.

Bei Grünland, das nur zur Landschaftspflege gemäht wird, und auf Stilllegungsflächen (Ausnahme: Flächen, die für nachwachsende Rohstoffe genutzt werden) können keine Ertragsschäden geltend gemacht werden. Ersatzpflichtig ist nur die Beseitigung des Schadens am Grundstück.

 

Bejagung

In großen Maisschlägen sollte der Landwirt Schussschneisen anlegen, aber erst nach dem Abblühen der männlichen Blüten, da er sonst seine Anbauprämie gefährdet.

Unerlässlich ist ein konsequenter und verstärkter Schwarzwildabschuss auch gestreifter Frischlinge und nicht führender Bachen. Jagdpächter sollten bereit sein, sich mit dem eigenen Revier an revierübergreifenden Drückjagden zu beteiligen. Landwirte sollten bereit sein, an Drückjagden als Treiber teilzunehmen.

In größeren Waldbeständen herrscht grundsätzlich in der Vegetationszeit Jagdruhe auf Schwarzwild, wogegen an der Feld-Wald-Grenze und im Feld intensiv bejagt wird. Gefährdete Schläge werden mit Hunden durchgedrückt.

Die zur Fütterung, Ablenkungsfütterung und Kirrung von Wild erlassenen Vorschriften sind streng zu beachten. Bei der Jagdausübung sind Jagdschäden zu vermeiden. Zur Erhaltung der Sozialstruktur sind Leitbachen unbedingt zu schonen.

Einzelexemplare des Faltblattes können beim LJV angefordert werden. Die Kreisjägervereinigungen haben ein Kontingent erhalten.

Erstellt am 10.03.2014
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