ASP-Fälle in Polen: DJV ruft zu Wachsamkeit auf

Lange Zeit war es eher ruhig um die Afrikanische Schweinepest, obwohl sie in Belgien immer noch nicht „besiegt“ ist. Nun rücken Fälle an der polnischen Grenze zu Deutschland die Afrikanische Schweinepest wieder in den Fokus. Wie lange wird es bis zu einem Nachweis hierzulande noch dauern?

  • Foto: Erich Marek

    Foto: Erich Marek

Erstellt am 19.11.2019

(dpa) Nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei toten Wildschweinen in einer an Deutschland grenzenden Region Polens ruft der Jagdverband DJV zu höchster Wachsamkeit auf. «Es ist extrem wichtig, dass Landwirte, Forstwirte, Jäger und Spaziergänger verdächtige Kadaver sowie Tiere mit Blut an Haut oder Schnauze sofort melden», betonte Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Aufmerksamkeit sei dabei nicht nur in Brandenburg und den anderen wildschweinreichen Ost-Bundesländern geboten. «Wir wissen nicht, wo das Virus in Deutschland zuschlagen wird», sagte er. «Es ist aber keine Frage des Ob, sondern nur noch eine des Wann.»

Meldungen seien auch über das Tierfundkataster des DJV möglich - dort eingetragene Wildschweinfunde landeten automatisch bei der zuständigen Veterinärbehörde. Anfassen oder gar transportieren solle man tote oder erkrankte Schweine auf keinen Fall. «Die Körperflüssigkeiten sind hochinfektiös», betonte Reinwald mit Blick auf die Übertragungsgefahr von Schwein zu Schwein. Zudem habe sich gezeigt, dass das Virus in dem Schlamm, der sich in Radkästen sammle, 100 Tage überleben könne. Das Knochenmark infizierter Tiere, die im Baltikum vergraben wurden, habe auch nach einem harten Winter noch lebende, infektiöse Erreger enthalten, an denen sich weitere Wildschweine ansteckten. Für den Menschen sind die Viren ungefährlich.

Es sei wahnsinnig schwer, den Erreger wieder loszuwerden, wenn er erst einmal eingeschleppt sei. «Wir haben nur eine Chance, wenn wir einen Seuchenherd frühzeitig erkennen», betonte Reinwald. In Belgien seien nach dem ersten Nachweis Ende 2018 inzwischen mehr als 800 weitere bei Wildschweinen erfasst worden. Als einzigem der in Europa betroffenen Länder sei es bisher Tschechien gelungen, Ausbruchsherde hermetisch abzuriegeln und die Seuche wieder loszuwerden, sagte Reinwald. «Das hat etwa ein Jahr gedauert.»

Von Polen aus über die Oder nach Deutschland zu kommen, stelle für Wildschweine keinerlei Schwierigkeit dar, so Reinwald. «Das sind sehr gute Schwimmer.» Allerdings seien infizierte Tiere rasch geschwächt und einige schon nach 48 Stunden tot - weite Strecken legten sie selten noch zurück. «Die Schuld an neuen Seuchenherden hat meist nicht das Wildschwein, sondern der Mensch.» Über weggeworfene Wurstbrote reise das Virus vor allem entlang der Transitstrecken. «Auch Räuchern macht dem Virus nichts aus.» Daher gehöre zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen, Parkplätze entlang solcher Strecken mit wildschweinsicheren Zäunen zu umgeben, geschlossene Mülleimer zu installieren sowie Transitfahrer und Bevölkerung intensiv zu informieren. «Auch die Jäger sind gefragt: Sie sollten keinesfalls Jagdausflüge in betroffene Gebiete unternehmen», betonte Reinwald. Das Virus bleibe auch im Dreck des Schuhprofils eingebettet infektiös.

In Brandenburg würden derzeit bei tot aufgefundenen Wildschweinen stichprobenartig Blutproben genommen und auf ASP kontrolliert. «Die Behörden sind da schon sehr auf der Hut.» Die Zahl der Frischlinge sei nach dem mageren Vorjahr in diesem Herbst besonders hoch. «Es sind derzeit unglaublich viele Jungtiere unterwegs.»

Erstellt am 19.11.2019
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