Eine lange Geburt

Änderungen der Durchführungsverordnung am 1.7.2021 in Kraft getreten

Keine Änderung der Jagdzeiten von Rehwild

Erstellt am 30.06.2021

Schon Anfang des Jahres hat der Landesjagdverband zum Entwurf der Änderung der Durchführungsverordnung zum Jagd- und Wildtiermanagementgesetz, der kurz vor Weihnachten einging, ausführlich Stellung genommen.
Danach:  Schweigen im Walde. Nachdem die Landtagswahl und der Beginn des neuen Jagdjahres am 1. April verstrichen waren, kamen Bedenken auf, ob die Verordnung vielleicht nochmal komplett auf den Prüfstand kommt oder ob sie z.B. bei den Jagdzeiten, v.a. beim Rehwild, neu gefasst wird.
Die Befürchtungen waren unbegründet: Die Jagdzeiten beim Rehwild blieben unverändert, ebenso die im Entwurf vorgesehenen Jagdzeiten auf Raubwild und Neozoen. Dennoch bietet die VO einige nicht erwartete Überraschungen:

  • In § 3 wird ein neuer Absatz 5 eingefügt: "Die Fütterung von Schwarzwild ist unzulässig, soweit sie nicht nach Maßgabe der unteren Jagdbehörde zur Tierseuchenbekämpfung geboten ist.“ Damit wird in die Möglichkeit Ablenkungsfütterungen für Schwarzwild durch ein beim MLR angezeigtes revierübergreifendes Konzept anzulegen, eingegriffen und weiter erschwert.
  • In § 6 Tierseuchenprävention und Beseitigungspflicht wird geregelt, dass Aufbruch, Schwarten und sonstige Teile von erlegtem Schwarzwild nicht in das Revier verbracht oder dort zur Entsorgung zurückgelassen werden dürfen. Sie sind über Konfiskatsammelstellen oder Verwahrstellen zu beseitigen. Besorgte Jägerinnen und Jäger, bei denen es mit Sammelstellen nicht klappt oder in Landkreisen, in denen die Verwahrstellen noch nicht so funktionieren wie vorgesehen, können aber vorerst aufatmen: Die Regelung tritt erst am 1.1.2024 in Kraft. Damit soll den Stadt-und Landkreisen die Möglichkeit gegeben werden, evtl. noch fehlende Infrastruktur zur Entsorgung bereit zu stellen. Der LJV wird aufgrund der rechtlichen Vorgaben darauf drängen, die Entsorgung bis dahin flächendeckend zufriedenstellend zu lösen. Wo die Möglichkeiten dafür jetzt schon gegeben sind, sollten sie im Interesse der Seuchenprävention jetzt schon genutzt werden.
  • In § 11 Schutzvorrichtungen und Obliegenheiten ist das Land dem Vorschlag des LJV nicht gefolgt, statt Empfehlungen zu erarbeiten nur Beispiele aufzuzeigen. Wir erwarten hier schwierige Verhandlungen mit Grundeigentum und Landwirtschaft bei der Umsetzung dieser Vorgabe in einer Arbeitsgruppe.
  • Bei den Nachsuchegespannen § 17 wurde die "Ardennenbracke" entgegen der Proteste von LJV und JGHV in die Liste der Hunderassen aufgenommen.

 

Bei den Fütterungskonzeptionen (§4) wurde die Mindestfläche bei Konzepten für Rehwild auf mindestens 1.500 ha gesenkt, bei anderem Schalenwild müssen Konzeptflächen weiterhin mindestens 2.500 ha groß sein.
Neu ist, dass Konzeptionen nicht nur von allen jagdausübungsberechtigten Personen unterzeichnet werden müssen, sondern auch der Genehmigung durch den oder die betroffenen Grundeigentümer bedürfen. Dies stellt u.U. eine weitere Erschwerung für die Wildfütterung dar.

Bei der Fangjagd (§ 8) wurde leider die Kofferfalle - wie vom LJV beantragt – als Fallentyp zum Lebendfang nicht zugelassen. Rechtlich eindeutig geregelt wurde dagegen endlich die Fallenkontrolle. Die Kontrollpflicht zweimal täglich bleibt zwar bestehen, sie kann aber auch durch eine andere sachkundige Person vorgenommen werden. Die persönliche Kontrolle kann entfallen, wenn die Falle über einen elektronischen Fangmelder verfügt, der betriebssicher ist und unverzüglich meldet, sobald ein Fangereignis stattgefunden hat und die Funktionsfähigkeit mindestens einmal täglich getestet wird oder eine tägliche Selbstüberprüfung des Fangmelders gewährleistet ist.

Bei den Sachlichen Verboten (§ 9) wurden die seit 2018 bereits geltenden Regelungen zur Verwendung von künstlichen Lichtquellen und von Nachsichttechnik gestrichen, weil der Einsatz bereits durch das JWMG (§ 31) eindeutig geregelt ist.

Kernstück der neuen Durchführungsverordnung sind teilweise neue Jagdzeiten in § 10.
Umgesetzt wird die in § 41 JWMG geänderte Jagdruhezeit. Die Jagdzeiten für Raubwild, Neozoen, Krähen und Elstern enden nun einheitlich am 15. Februar.

In der DVO vorverlegt wurden die Jagdzeiten von Raubwildarten, Neozoen und Gänsen, beim Raubwild quasi als Kompensation für die Jagdzeitenverkürzung im Februar gedacht.

Jungfüchse können künftig in Gebieten, für die eine Hegegemeinschaft nach § 47 Absatz 1 Satz 3, Absatz 2 oder 4 JWMG besteht, deren verfasstes Ziel der Schutz von Tierarten ist, die von der Prädation durch den Fuchs betroffen sind, oder in Gebieten, für die eine von der zuständigen Jagdbehörde genehmigte Managementkonzeption vorliegt, nach der die Jungfuchsbejagung zum Erreichen der Managementziele erforderlich ist, ab dem 16. April bejagt werden.

Ob die Änderung der Jagdzeiten von Fuchs, Marder u.a. Raubwildarten im Sommer tatsächlich die gleiche Wirkung bei Niederwild und Bodenbrütern hat wie die bisherige winterliche Bejagung werden wir sorgfältige prüfen müssen.

Neu ist die Bejagungsmöglichkeit auf Jungtiere invasiver Arten (Mink, Marderhund, Waschbär, Nutria, Nilgans und Jungtiere sonstiger Arten der Unionsliste der Verordnung (EG) 1143/2014 über gebietsfremde invasive Arten, die Wildtiere im Sinne des § 7 Absatz 1 Jagd- und Wildtiermanagementgesetz sind. Diese gilt ganzjährig außerhalb der allgemeinen Schonzeit nach § 41 Absatz 2 JWMG.

Auch die Jagd auf Jungtiere der Graugans und der Kanadagans einschließlich des Eingriffs auf ihre Eier, Nester und Lebensräume ist außerhalb der Jagdzeit (nicht in der allgemeinen Schonzeit) in Gebieten zulässig, für die eine von der unteren Jagdbehörde genehmigte Managementkonzeption vorliegt, wonach der Eingriff zum Erreichen der Managementziele erforderlich ist.

Eine Übersicht über alle aktuellen Jagdzeiten finden Interessierte auf der Homepage des LJV hier. 
Außerdem werden die jeweiligen Jagdzeiten für jeden Monat in der Mitgliederzeitschrift „Jagd in Baden-Württemberg “ veröffentlicht.

Mit § 13 Schadensmeldung soll die Gemeinde verpflichtet werden, darauf hinzuweisen, dass die Gemeinde auf Antrag eines oder beider Beteiligter eine Wildschadensschätzung beauftragen kann. Mit dem Hinweis soll über die Kostenfolge nach § 57 Absatz 5 JWMG informiert werden.

Nach § 17 Abs. 3 dürfen anerkannte Nachsucheführer zum Zwecke einer sicheren Nachsuche auch halbautomatische Waffen, die mit mehr als fünf Patronen geladen sind, zum Erlegen von Schalenwild einsetzen.

§ 19 enthält umfassende Regelungen für Stadtjägerinnen und Stadtjäger: Damit werden die Ausbildung, die Anerkennung durch die unteren Jagdbehörden, der Einsatz durch die Gemeinden, der Schusswaffengebrauch sowie die Beziehung zu Jagdausübungsberechtigten festgelegt.

§ 20 enthält Klarstellungen und Definitionen zum Forstlichen Gutachten.

In § 21 wird der praktische Einsatz des Wildtierportals als Instrument für die Erfassung von Strecken und anderen Monitoringdaten und deren Weiterverarbeitung durch Behörden geregelt.

 

Der Download enthält nur die Änderungen, den kompletten Text (mit Änderungen) werden wir veröffentlichen, sobald er vorliegt. 

 

 

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