Fachtagung zum Rebhuhnschutz

Bei einer Fachtagung Ende November in Rottenburg diskutierten Experten über die Zukunft des Rebhuhns. Ihr Fazit: Es ist noch nicht zu spät!

  • Foto: Pierre Johne

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Erstellt am 12.12.2019

Gibt es eine Chance für das Rebhuhn? Über diese Frage berieten Fachleute aus Naturschutz, Wissenschaft, Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung und Politik Ende November in Rottenburg-Ergenzingen bei einer gemeinsam organisierten Tagung (LJV, WFS, NABU, OGBW, LEV TÜ). Die Fachtagung „Perspektiven für das Rebhuhn – Status quo, Fördermöglichkeiten und Wege zum Erfolg“ rückte die Zukunft des vom Aussterben bedrohten Feldvogels in den Mittelpunkt. Das Fazit des zweitägigen Austauschs: Ja, eine Zukunft für das Rebhuhn ist möglich. Doch dafür braucht es mehr Lebensräume, mehr finanzielle Förderung für erfolgreiche Schutzvorhaben und einen ganzheitlichen Ansatz, auch durch Prädatorenmanagement. Und nicht zuletzt eine bessere Vernetzung der Akteure. 

Nach Grußworten von Tübinger Landrat Walter, Frau Staatssekretärin Gurr-Hirsch (MLR) und Herrn Lieber (Abteilungsleiter Naturschutz, UM), machte Dr. Eckhard Gottschalk von der Universität Göttingen den Auftakt. Der Rebhuhn-Forscher schilderte den 180 Gästen die Ergebnisse langjähriger Telemetriestudien sowie die Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen. „Die Tiere brüten vorwiegend in ungenutzter Vegetation wie Feldrainen oder Brachen, die heute in der Agrarlandschaft meist fehlen. Zum Ausgleich wurden Blühflächen mit optimaler Vegetationsstruktur geschaffen. Da die Gefahr für Hennen enorm hoch ist, bei der Brut Opfer von Beutegreifern zu werden, legen wir keine streifenförmigen Habitataufwertungen an, sondern nur flächige: Dort werden brütende Hennen weitaus weniger gefunden, wie unsere Daten zeigen.“

Anschließend wurde durch Frau Dr. Johanna Arnold (WFS) und Matthias Kramer (OGBW) anhand verschiedener Monitoring-Verfahren der Populationsrückgang sowie die aktuelle Verbreitung der noch im Land anzutreffenden Rebhühner anschaulich dargestellt. Dabei ging Frau Arnold besonders auf die Monitoring-Verfahren und die Bejagung laut JWMG ein, welches die Jagd auf diese gefährdete Art seit dem Jagdjahr 2015/16 untersagt. Während sich Herr Kramer mit dem Rückgang der Populationsdichte sowie deren Verbreitungsgebiet in BW auseinandersetzte.

Das örtliche Lokalprojekt des NABU-Vogelschutzzentrums „Rebhuhnschutz im Landkreis Tübingen“ stellte durch Dr. Sabine Geißler-Strobel (Initiative Artenvielfalt Neckartal) und Thorsten Teichert (Vielfalt e.V.) deren Maßnahmen und Fördermöglichkeiten vor. Hier wurde deutlich, dass nur durch einen hohen personellen und finanziellen Aufwand im Rebhuhnschutz aktuell etwas erreicht werden kann.

Anne Scholl (Wildforschungsstelle des Landes) und René Greiner (LJV) von der Allianz für Niederwild schafften einen Überblick über die lokalen Rebhuhnprojekte im Land und fassten die Erfahrungen aus den Gebieten und den Modellregion der Allianz zusammen. Der Vortrag zeigte auf, das es derzeit nur schwer möglich ist, über- oder mehrjährige Rückzugsräume zu schaffen. Durch eine Integration von mehrjährigen Brachen in der Agrarförderung auf Landesebene, könnte ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Offenland geleistet werden.

Den Abschlussvortrag bestritt Dr. Francis Buner von der Game & Wildlife Conservation Trust (GWCT) aus England. Er weitete den Blick der Tagungsteilnehmenden und stellte den sogenannten „Englischen Ansatz“ vor. Er betonte vor allem die Rolle des Prädatorenmanagements und welche Chance zum Erfolg darin, bei gleichzeitiger Lebensraumaufwertung, steckt.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit Teilnehmern aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Jagd und Naturschutz sowie Verwaltung hatte zum Ziel, einen klaren Auftrag an die beiden Ministerien (MLR und UM) zu formulieren. Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann hob die Zusammenarbeit verschiedener Akteure für den Rebhuhnschutz in Baden-Württemberg hervor und adressierte seine Forderung direkt an die Vertreter der Ministerien: „In den letzten Jahren haben wir im Land verbandsübergreifend im Rebhuhnschutz zusammengearbeitet – und das mit Erfolg. Wir werden aber so langsam ungeduldig, was die Weiterentwicklung der Agrarförderprogramme – hin zu mehrjährigen Maßnahmen – angeht. Es liegt jetzt an Ihnen, unsere Empfehlungen auch umzusetzen.“ Die Botschaft kam an, der Saal applaudierte.

Bei einer Exkursion am darauffolgenden Tag konnten die Teilnehmenden sich von der Qualität unterschiedlichster Lebensraumstrukturen überzeugen und die Umsetzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten wurden diskutiert.

 

Erstellt am 12.12.2019
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