Gedanken zum Hubertustag

EKJM Hubert Kiesel, Schwäbisch Hall sieht die Jagd am Scheideweg

Erstellt am 04.11.2019

Am 03. November war Hubertustag, derErntedanktag der Jäger, Namenstag eines Kirchenheiligen, als legendäre Figur Schutzpatron und Vorbild vieler Jäger. Alljährlich, mitten im Jagdjahr, feiern viele Jäger diesen Tag als Fest des Dankes, der Freude, der Besinnung, des Nachdenkens über die Verantwortung im Umgang mit den Wildtieren, der Natur, der gesamten Umwelt und den jagenden und nicht jagenden Mitmenschen.

Schutzpatron und Legende

Vor mehr als 1000 Jahren hat das Christentum jedem Handwerk einen Schutzpatron gegeben als Wegbegleiter, als mahnendes Signal, als Ideal, mit dem zu befassen es sich lohnt.

St. Hubertus, eine historische Persönlichkeit aus dem 8. Jahrhundert, wurde dies für die Jäger und die Jagd. Geboren um 655 als Sohn eines Edelmanns, suchte er nach dem Tod seiner jungen Frau in zügelloser Jagd unter Missachtung aller göttlichen Gebote Ablenkung und Vergessen. Durch die Begegnung mit einem Hirsch, der ein Kreuz im Geweih trug, traf ihn der Ruf zur Umkehr. St. Hubertus wurde Bischof von Lüttich und verstarb 727. Wegen angeblicher Wundertaten und Glaubenseifer erfolgte am 3. November 743 die Erhebung seiner Gebeine, die damalige Form der Heiligsprechung.

Zwar wird heute kein Jäger mehr heiliggesprochen, wenn er die Jagd aufgibt. Dies will die Hubertuslegende auch gar nicht zum Ausdruck bringen. Stattdessen will die Hubertuslegende Jäger und Nichtjäger dazu anhalten, Wild und Natur als Teil der Schöpfung stets zu achten. Daraus abgeleitet gelten bis zum heutigen Tag für die Jäger die Gesetze der Waidgerechtigkeit als oberstes Gebot bei der Jagd.

 

Entwicklung des Jagdwesens

Die Jagd ist so alt wie die Menschheit selbst. Früher diente die Jagd der Ernährungssicherung, wo jeder jagen konnte, soweit die Füße trugen. Dann kam die Feudalzeit, wo nur Könige, Fürsten und oft auch Bischöfe die Jagd ausübten. Die Wildschäden stiegen ins Unerträgliche. In der neueren Jagdgeschichte ging nach der deutschen Revolution 1848 das Jagdrecht auf den Grund und Boden, egal welcher Größe, über. Innerhalb von wenigen Jahren wurde das Wild fast ausgerottet. Seit dem 1. Württembergischen Jagdgesetz von 1855 mit seinen 50 Morgen Jagden und dem Reichsjagdgesetz von 1934, wo die Jagdgenossenschaften und das bewährte Reviersystem entstanden, kehrten geordnete Verhältnisse in die Jagdausübung ein.

Mit dem Bundesjagdgesetz von 1952 und dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz von 2015 in Baden-Württemberg wurde sogar auch dem Jagdrechtsinhaber, also dem Grundeigentümer, die Pflicht zur Hege mitauferlegt, das heißt, die Pflicht zur Erhaltung und Sicherung der Lebensgrundlagen des Wildes liegt nicht nur beim Jäger, sondern auch beim Grundeigentümer.

 

Die Jagd am Scheideweg

Umweltkatastrophen, Orkanschäden, Hitzeperioden, Waldbrände, Trockenheit, Borkenkäfer, Wildkrankheiten und Wildseuchen, schlechter Absatz von Wild, starke Beunruhigung in Wald und Flur, Forderungen auf Abschaffung der Jagd usw. lassen die Jagd vorübergehend ins Wanken geraten.

Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass ein historisch gewachsener Eckpfeiler des natürlichen Gefüges, und hierzu gehört nun einmal das Jagdwesen seit Beginn der Menschheitsgeschichte auch im 21. Jahrhundert und weit darüber hinaus, Bestand haben muss und Bestand haben wird.

Die Jagdethik (Waidgerechtigkeit und jagdliche Enthaltsamkeit) besteht schon solange wie die Menschheitsgeschichte alt ist – schon lange vor der durch die Umweltzerstörung des 20. und 21. Jahrhunderts entstandenen ökologischen Ethik - und sie wird auch weiter bestehen. Jäger jagen schon immer nachhaltig und töten Wildtiere nur aus vernünftigem Grund. Zudem erfolgt das Töten heute tierschutzgerecht.

 

Zuversicht ist bei der Jagd angesagt

Aufgrund des Klimawandels und der starken Belastung der Wälder durch Dürre und Schädlingen steht die Jägerschaft vor neuen Herausforderungen, obwohl hieran nicht das Wild oder die Jagd schuld sind und Probleme durch die Jagd nicht allein gelöst werden können. In ein paar Jahren werden aber aller Voraussicht nach mehr naturnahe, wildfreundliche Mischwälder und eine sich ändernde Landbewirtschaftung europaweit Einzug halten. Dies ist auch eine große Chance für unsere Wildtiere. Dies wird auch die Freude am Natur- und Jagderlebnis und auch am Jagderfolg wieder beleben. Dies ist eine wesentliche Triebfeder für die Jagd. Wenn dann noch Wildbestand, Wald- und Flurentwicklung harmonisieren, wird die Jagd auf Dauer Zukunft haben. Dann bleibt die Jagd eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe im Dienste der Landeskultur.

 

Anstand und Ehrfurcht wahren

Dabei darf die Jagd im 21. Jahrhundert aber nicht zu einem mit überlegener Nachtsicht- und -zieltechnik rund um die Uhr ausgestattetem Vernichtungsfeldzug auf Schalenwild werden. Eine völlige Freigabe mancher jagdlicher Methoden wäre das Ende der unserer bewährten Jagd in Deutschland. Wir brauchen angemessene jagd- und waffenrechtliche Regelungen, die das jagdliche Können der Jäger fördern und dem Wild noch eine Chance lassen. Die Jäger müssen Anwälte und Schützer von Wild und Wald bleiben und Anstand und Ehrfurcht vor dem Tier, der Natur, dem Leben und dem Schöpfer im Geschöpfe wahren. Auch davon hängt die Zukunft der Jagd ab.

Erstellt am 04.11.2019
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