LJV startet Kampagne: Rettet das Rotwild!

Wer im Wald unterwegs ist, wird selten Rotwild zu Gesicht bekommen. Die anmutigen Tiere sind zwar bei uns heimisch und zudem sehr anpassungsfähig – erwünscht sind sie aber nicht. Der LJV setzt sich deshalb für einen neuen Umgang mit unserem Wappentier ein.

  • Foto: Erich Marek

    Foto: Erich Marek

Erstellt am 06.11.2019

Seit geschlagenen 60 Jahren wird der Umgang mit Rotwild über die sogenannte Rotwildverordnung geregelt. Absolut unverändert. Ihre Gültigkeit ist unbefristet. Um darüber hinaus weitere Details festzulegen, existiert allerdings zusätzlich eine Rotwild-Richtlinie – sie läuft im Jahr 2020 aus. Dies nimmt der Landesjagdverband zum Anlass, um einen zeitgemäßen Umgang mit dieser Wildart zu fordern.
Unerwünscht war und ist das Rotwild vor allem bei der Forstwirtschaft, zu groß ist die Angst vor Schälschäden. Doch auch Landwirte sollen durch die Rotwildverordnung aus dem Jahr 1958 vor Fraß- und Lagerschäden geschützt werden. Die Rolle des Rotwildes im Ökosystem, seine Lebensraum- und Sozialbedürfnisse als Rudeltiere wurden kaum berücksichtigt. Festgelegt wurde stattdessen ein striktes Abschussgebot: „Außerhalb der Rotwildgebiete ist das gesamte Rotwild mit Ausnahme der Kronenhirsche während der Jagdzeit abzuschießen.“ Diese fünf ausgewiesenen Rotwildgebiete umfassen aber gerade einmal vier Prozent der Landesfläche – kein anderes Bundesland stellt dem Rotwild so wenig Lebensraum zur Verfügung. Zudem entsprechen die Gebiete nicht einmal dem natürlichen Lebensraum der Tiere: Statt ihnen auch Gebiete im Offenland zur Verfügung zu stellen, wurden sie in die bewaldeten Mittelgebirgslagen zurückgedrängt. Dabei gäbe es Regionen, wie etwa die Schwäbische Alb oder die Rheinauen, die weitaus besser als Lebensraum geeignet wären. 
Hinzu kommt, dass der genetische Austausch zwischen den (relativ weit auseinander liegenden) Gebieten langfristig nicht ausreichend ist, um eine gesunde Population zu erhalten. Auf gut Deutsch: Es kommt zu Inzucht. Dies wurde auch im ersten Wildtierbericht des Landes so festgehalten. Wie real diese Gefahr ist, belegt zudem eine wissenschaftliche Studie von Prof. Dr. Gerald Reiner vom Arbeitskreis Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er untersuchte zwar die Situation in Hessen, doch auch dort wird der Bestand über fest definierte, relativ kleine Gebiete geregelt. Die Situation ist also auf Baden-Württemberg übertragbar. Im Wildtierbericht wird deshalb explizit darauf hingewiesen, dass „mittelfristig daran gearbeitet werden [muss], Austauschmöglichkeiten zwischen den Populationen zu schaffen“. 
Fest steht also: Die bisherige Sichtweise, die ausschließlich auf den Waldzustand, die natürliche Waldverjüngung und wirtschaftliche Schadenspotentiale begrenzt ist, ist heute nicht mehr tragbar. Unsere Gesellschaft ist verpflichtet den Europäischen Rothirsch als schützenswerte Art zu erhalten. Der Landesjagdverband hat sich deshalb intensiv damit beschäftigt, wie der Umgang mit dem Rotwild künftig geregelt werden kann. Im Zentrum des LJV-Konzepts stehen fünf Kernforderungen. 

 

Weitere Informationen rund um die Kampagne sowie unsere fünf Kernforderungen finden Sie unter www.platzhirschbw.de

Erstellt am 06.11.2019
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