Rebhuhnschutzprojekt im Oberen Gäu

Gäufelden/Böblingen wird offizielles Partnerprojekt der landesweiten „Allianz für Niederwild“

  • Foto: Pierre Johne

    Foto: Pierre Johne

Erstellt am 26.03.2021

Es ist ein Nachmittag Mitte März in Gäufelden. Ehrenamtliche aus Naturschutz, Jägerschaft, Landwirtschaft und weitere Interessierte finden sich in der Nähe eines landwirtschaftlichen Betriebs ein. Anlass ist die Suche nach den letzten ihrer Art: Es geht um das Rebhuhn.

Die Erfassung findet im Rahmen des landesweiten Rebhuhnmonitorings der Wildforschungsstelle (WFS) des Landes statt. Unterstützt wird die WFS vor Ort durch den Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Böblingen. Der setzt sich gemeinsam mit weiteren Akteuren dafür ein, dass das Rebhuhn nicht ausstirbt und sich im Oberen Gäu wieder vermehren kann. Denn geht es den Rebhühnern gut, geht es auch weiteren Arten in der Feldflur gut, darunter viele Insektenarten und seltene Feldvögel.

Im Rahmen des Lokalprojekts des LEV werden zum Schutz der Rebhühner unter anderem etliche Hektar mehrjährige Blühbrachen angelegt, Feldhecken gepflegt und durch die Jägerschaft ein Prädatorenmanagement durchgeführt. Die Erfahrungen aus dem Lokalprojekt „Rebhuhnschutz im Oberen Gäu“ fließen gemeinsam mit den Erfahrungen aus derzeit acht weiteren Lokalprojekten und vier Modellregionen im Land in das landesweite Kooperationsprojekt Allianz für Niederwild der WFS des Landes und dem Landesjagdverband (LJV) ein. „Das Projekt hier war eines der ersten Lokalprojekte im Land und hat damit Pilotcharakter. Daher ist es nun auch offizielles Partnerprojekt der Allianz für Niederwild“, betont René Greiner vom Landesjagdverband. „Die entstandenen artenreichen Blühbrachen zeigen anschaulich, was entstehen kann, wenn sich ein engagierter Verband mit weiteren Akteuren zusammenschließt. In diesem Fall der Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Böblingen, die örtliche Landwirtschaft, die Jägerschaft sowie die Kommunen Bondorf, Jettingen, Mötzingen und Gäufelden, die sich gemeinsam für das Rebhuhn und somit für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft einsetzen“, fasst Anne Scholl von der Wildforschungsstelle des Landes die Entscheidung zusammen. Moritz Mayer, stellvertretender Geschäftsführer des LEV Böblingen freut sich und meint: „Es ist schön zu wissen, dass durch einen engen fachlichen Austausch mit der Allianz für Niederwild unsere Erfahrungen auch über den Landkreis hinaus wahrgenommen werden.“
Die Erkenntnisse werden nämlich durch das Projekt Allianz für Niederwild landesweit gebündelt und dienen der Weiterentwicklung der Agrarförderprogramme im Land Baden-Württemberg. Und das mit Erfolg: Denn durch die neugestalteten Fördermaßnahmen im Land profitieren nun überall Rebhuhn, Feldhase, Wildbiene und nicht zuletzt die Landwirtschaft davon.

Hintergrundinformation

Die Allianz für Niederwild ist ein Kooperationsprojekt der Wildforschungsstelle des Landes und des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg. Das Projekt ist im Juni 2020 als herausragendes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden.
Die Allianz ist ein breites Bündnis von Jägern, Naturschützern, Kommunen, Landwirten, Grundeigentümern, Behörden und Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg. Gemeinsam wollen die Akteure individuelle Handlungsmöglichkeiten zielorientiert zusammenführen, um dem Verlust an Offenlandarten entgegenzuwirken.
Ziel ist es Offenlandarten durch Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und Lebensräume zu fördern. Der Erhalt einer nachhaltigen Bewirtschaftung unserer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft ist ein wichtiges Element dabei. Ein dauerhafter Entzug aus der Bewirtschaftung, Nutzung oder Pflege dieser Lebensräume stellt dabei keine Lösung dar. Nutzungsgebote und -verbote schaffen weder Akzeptanz innerhalb der Landwirtschaft, noch werden sie den Artenverlust in der Agrarlandschaft nachhaltig bremsen. Die Arten Feldhase, Rebhuhn und Fasan bilden für das Projekt die Leitarten. Sie stehen stellvertretend für den starken Rückgang vieler Arten des Offenlandes. Um die Kernforderungen des Projekts bezüglich der Weiterentwicklung der Agrarförderprogramme mit praktischen Beispielen zu untermauern und um Anpassungs- und Klärungsbedarf in der Agrarförderung, die „Stolperstellen“ in der praktischen Umsetzung, zu identifizieren, wurden in den vergangenen Jahren vier Modellregionen eingerichtet und ein enges Netzwerk aus Lokalprojekten aufgebaut, um die Erfahrungen im Land zu bündeln.

 

 

Weiterführende Informationen zum Projekt Allianz für Niederwild:

https://www.wildtierportal-bw.de/de/publication/default/detail?itemId=76&title=Allianz+f%C3%BCr+Niederwild
Anne Scholl, Wildforschungsstelle des Landes
Mail: Anne.Scholl(at)lazbw.bwl.de
Tel. 07525 942-491

René Greiner, Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V.
Mail: greiner(at)landesjagdverband.de
Tel. 0711 268 436-23

 

Weiterführende Informationen zum Rebhuhnschutzprojekt Oberes Gäu des LEV:

www.levbb.de
(à Projekte à Rebhuhn)
Mail: info(at)levbb.de
Tel. 07031-663 3414

 

Weiterführende Informationen zum landesweiten Rebhuhnmonitoring der Wildforschungsstelle:

https://www.wildtierportal-bw.de/de/publication/default/detail?itemId=81&title=Rebhuhn
Dr. Johanna Maria Arnold, Wildforschungsstelle des Landes
Mail: johanna.arnold@lazbw.bwl.de
Tel. 07525 942-349

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