Sühne für getöteten Auerhahn

Urteil des Amtsgerichts Titisee-Neustadt

Erstellt am 05.08.2020

Für großes Medienecho sorgte die Verhandlung über den gewaltsamen Tod eines Auerhahns im letzten Sommer am Feldberg.

Zwei Betrunkene, die von einem Fest kamen, haben den Auerhahn abseits des Weges aufgescheucht. Da sie angeblich von dem Tier angegriffen wurden, hat einer von Ihnen den Auerhahn mit einer Flasche erschlagen. Der Vorfall war von zahlreichen Festbesuchern beobachtet worden.
Besonders brisant: Bei dem Auerhahn handelte es sich um eines der letzten Exemplare am Feldberg, Auerhühner sind besonders streng geschützt und einer der Tatbeteiligten war Jäger.

Beim Amtsgericht Titisee-Neustadt wurde der Fall jetzt verhandelt.
Nach drei Verhandlungstagen, in denen zahlreiche Zeugen vernommen wurden, folgte das Gericht der Forderung der Verteidigung nach Freispruch nicht, sondern ging noch über das von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafmaß hinaus. Ein Angeklagter muss für eine Woche in Arrest, einen Betrag von Euro 1.000 an den NABU bezahlen und seinen Jagdschein für ein halbes Jahr abgeben. Der andere Beteiligte kam mit einer höheren Geldstrafe davon.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der LJV und viele aktive Mitglieder in den Auerwildgebieten im Schwarzwald setzen sich schon seit Jahrzehnten für die Erhaltung des Auerwildes ein. Über die Tötung vor einem Jahr waren LJV und Auerwildschützer sehr entsetzt, weil jeder tote Auerhahn bei der derzeitigen Bestandessituation einer zu viel ist und weil ein heimischer Jäger die Tat begangen hatte.

Der LJV hält es deshalb für richtig, dass das Amtsgericht nicht dem Antrag der Verteidigung gefolgt ist, sondern die Täter bestraft hat. Man kann geteilter Meinung sein, ob die Strafen angemessen sind: Nicht dass wir dem NABU die Bußgeldzuweisung mißgönnen. Aber es wäre besser gewesen, den Täter zur Mitarbeit die der Auerwildhege zu verurteilen als in den „Knast“ zu schicken und das Bußgeld wenigstens dem neuen Verein „Auerhuhn e.V.“ zukommen zu lassen.

Ein Argument der Verteidigung sollte man aber nicht unterschlagen: Es wurde kritisch hinterfragt, warum angesichts des bedrohten Auerwildbestandes am Feldberg mitten im Auerwildlebensraum jedes Jahr ein Fest mit vielen Teilnehmern zugelassen werde.
Diese Frage ist durchaus berechtigt, weil in dem Gebiet die Auerwildlebensräume schon seit Jahren durch ständig zunehmende Freitzeitnutzung beeinträchtigt werden.

 

Erstellt am 05.08.2020
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