Öffentliche Anhörung zum Thema Wolf

„Wölfe in Baden-Württemberg –zwischen Naturverklärung und Panikmache“: Die FDP-Landtagsfraktion hatte am 10.3.2018 zu einer öffentlichen Anhörung zu diesem Thema LJM Dr. Friedmann und den Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg, Gregor Beyer, eingeladen.

Landesjägermeister findet deutliche Worte

Erstellt am 15.03.2018

Bei der Veranstaltung „Wölfe in Baden-Württemberg – eine Diskussion zwischen Naturverklärung und Panikmache“ hatte Landesjägermeister Dr. JörgFriedmann vor etwa 200 Zuhörern auf Einladung der FDP/DVP-Fraktion die Gelegenheit, zum Wolf und den mit seiner Rückkehr verbundenen Herausforderungen für das gesamte Wildtiermanagement in Baden-Württemberg Stellungzu nehmen.

Er nutzte diese, um die Positionen des Landesjagdverbandes zum Wolf unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation deutlich zu machen. Dabei übte er scharfe Kritik an der Ausgrenzung der Jägerinnen und Jägerbeim Wolfsmonitoring.

 

Der Wolf ist wieder da in unserem mittlerweile mit 11 Mio. Menschen in weitenTeilen dicht besiedelten Bundesland, das zeigen die über 10 bestätigten Nachweise des Wolfs allein im letzten halben Jahr. Er ist Teil unseres Ökosystems, somit kann keine isolierte Betrachtung dieser Tierart erfolgen. Niemand kann den Wolf als seine „alleinige Kompetenz beanspruchen, auch kein grün geführtesUmweltministerium“, so Friedmann. Vielmehr sind der Wolf und die sich aus einer Rückkehr ergebenden Konfliktfelder

  • Beutetiere,
  • Landwirtschaft,
  • Naturschutz,
  • Mensch und
  • Jägerinnen und Jäger

in ihren Wechselbeziehungen ganzheitlich zu betrachten. Der Wolf wird nämlich nur dann hinreichende Akzeptanz erfahren, wenn die Interessen der Menschen,die von seiner Rückkehr betroffen sind, gewürdigt und angemessen berücksichtigwerden.

 

Die Konfliktfelder erläuterte der Landesjägermeister:

 

Eine Betrachtung nur des Wolfes ohne seine Beute, die nicht nur aus Wild, sondern auch aus Nutztieren besteht, ist nicht möglich. Die Auswirkungen auf Landwirtschaft und Nutztierhaltung sind enorm. Herdenschutz stellt gerade die Nebenerwerbs-Tierhalter vor persönlich und finanziell nicht tragbaren Herausforderungen. Im Naturschutz ist die Beweidung von Flächen zur Vermeidung ihrer Verbuschung und damit zur Offenhaltung unserer Kulturlandschaft elementar wichtig. Und warum wird der Wolf auf der gesamten Landesfläche willkommen geheißen, wogegen das wichtige Beutetier Rotwild – entgegen jeglichen wildbiologischen Wissens und Verstandes – auf 4 % der Landesfläche amtlich verfügt isoliert wird?

 

Besonders sind die Menschen und deren Angst – ob begründet oder nicht – zuberücksichtigen. „Wo sich der Wolf etabliert, sinkt die Akzeptanz der Landbevölkerung rapide. Nicht umsonst steht im Koalitionsvertrag der Großen Koalition, dass im Umgang mit dem Wolf die Sicherheit der Menschen oberste Priorität hat.“ Die Mär vom scheuen Wolf darf nicht weiter verbreitet werden.

 

Ebenso sind die Jagd und damit die Jägerinnen und Jäger betroffen. Der Wolf stellt keinen Beutekonkurrent mehr dar wie zu Zeiten seiner Ausrottung vor 150 Jahren. Aber es wird zu lokal und zeitlich nicht vorhersehbaren Erschwernissen in der Schalenwildbejagung kommen, Nachsuchehunde sind gefährdet, der Jagdpachtwert der Reviere kann sinken. „Da klingt es wie blanker Hohn in unseren Ohren, wenn Minister Untersteller sagt, das MLR und damit auch die Jagd sind nicht zuständig, eine Abstimmung zum Wolf ist gar nicht notwendig.“

 

Da der Wolf keine Ländergrenzen kenn, ist nach Ansicht des Landesjagdverbandes ein bundesweiter Ansatz des Managements unter Einbeziehung aller Betroffenen notwendig. Grundlage aller Maßnahmen muss ein Monitoringsystem bilden. Das in Niedersachsen durch die Landesjägerschaft durchgeführte Monitoring zeigt, dass Jägerinnen und Jäger dieser Aufgabe gewachsen sind.„Was erleben wir dagegen hier in Baden-Württemberg: In einer geheimen Nacht- und Nebel-Aktion wird zwischen vier Bundesländern unter offensichtlicherFührung des grünen baden-württembergischen Umweltministeriums ein Kooperationsabkommen geschmiedet, das Jägerinnen und Jäger ausgrenzt.“Dies ist eine kurzsichtige Politik des Landes, die Jäger ausgrenzt, obwohl sie sich seit Jahren für ein Wolfsmanagement im Land einsetzen. Eine Vielzahl von Jägerinnen und Jägern wurde zu Wolfsbeauftragten ausgebildet und beteiligtsich ehrenamtlich, insbesondere an der Rissbegutachtung. „Warum sollen Jägerinnen und Jäger durch den Landesjagdverband weiterhin motiviert werden, hier mitzuarbeiten, wenn sie nach Auffassung des Umweltministers nicht zuständig sind und ihre Mitarbeit beim Monitoring in Steuerungs- und Managementgruppen unerwünscht ist?“

 

Der Landesjagdverband lehnt es „vehement ab, dass über unsere Köpfe hinweg in den von uns gepachteten Revieren anonyme, nicht ortskundige bewaffnete Fang- und Entnahmetrupps Jagd auf Problemwölfe machen sollen.“Der Landesjagdverband ist sich sicher: Die Zeit wird es zeigen, dass man Jägerinnen und Jäger für das Wildtiermanagement braucht: Für das Monitoring, die Vergrämung, die Regulation und die Umsetzung von Fachkonzepten. Besitzstandsdenken der Politik statt Kooperation in der Sache ist nicht zielführend.

 

Aus den dargestellten Punkten eine Balance zu finden sieht der Landesjagdverbandals Aufgabe von Politik, Wissenschaft, Naturschutz und Jagd. Grundlegend dabei ist es, die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Wildtierbericht ist dafür ein wichtiges Instrument. Er darf nicht gleich zu Beginn seiner Existenz durch die Ausklammerung des Wolfs ins Abseits geführt werden. Der Landesjagdverband fordert, den Wolf unter den Schutz des JWMG‘s zustellen. Eine Unterstellung unter das Schutzmanagement dient dem Wolf und bedeutet keine Jagd auf den Wolf, sondern die Schaffung eines verlässlichen Rechtsrahmens. „Der Wolf stellt der grünen Partei und dem Umweltminister nebst Staatssekretär die jagdpolitische Glaubwürdigkeitsfrage: Wissensbasiert kann es nur eine Antwort geben, nämlich Unterstellung des Wolfs unter denSchutz des JWMG“, so Friedmann. Hier wird sich zeigen, ob die Landesregierungdas JWMG nur als Schönwettergesetz sieht oder sich an dem Gesetz, das bewusst auch als Wildtiermanagementgesetz geschaffen wurde, messen lässt.

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung unterstützte Gregor Beyer, Geschäftsführerdes Forum Natur Brandenburg, die Positionen und Forderungen des Landesjagdverbandes.Er berichtete von den Erfahrungen aus Brandenburg mit demWolf und stellte dabei interessante Aspekte dar, die Baden-Württemberg wertvolleHinweise für den weiteren Umgang mit dem Wolf liefern können

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