Rückgang der Fuchsstrecke - Halbherziger Artenschutz

Wer Hase, Rebhuhn oder Kiebitz retten will, muss die Fressfeinde intensiv bejagen. Bürokratische Hürden bei der Jungfuchsbejagung sprechen gegen ernstgemeinten Schutz von Bodenbrütern und Kleinsäugern. Die Jäger fordern daher praxisnahe Lösungen für angewandten Artenschutz.

  • Foto: Marek

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Erstellt am 29.04.2017

Die Jagdstrecke des Rotfuchses 2015/16 in Baden-Württemberg von 50.672 Stück hat gegenüber dem Vorjahr um 17,3 % abgenommen. Sind weniger da, oder wurden nur weniger erlegt? Und das trotz der drei Artenschutzprojekte

  • Aktionsplan Auerwild (Schutz der letzten Auerhühner im Schwarzwald),
  • Allianz fürs Niederwild (Förderung der Lebensgemeinschaften in der landwirtschaftlich genutzten Flur) und
  • Fellwechsel (Nutzung von Wildfellen aus nachhaltiger Jagd), die Jäger initiiert haben?

Ein Ansatz ist das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG), das seit genau einem Jahr die Jagdzeit eingeschränkt. Die Jungfuchsbejagung wird an eine bürokratisch aufwändige Gründung sowie Genehmigung einer Hegegemeinschaft geknüpft. Außerdem gibt es erhebliche Einschränkungen bei der Fallenjagd und ein Verbot der Jagd am Naturbau. Den Fuchs freut es.

Gleichzeitig wird der Artenschwund von offizieller Seite als höchst dramatisch beschrieben. Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn werden immer weniger. Andere Naturschutzverbände sehen ausschließlich die Landwirtschaft als Ursache. Doch jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, erkennt, dass eine gefressene Henne kein Ei mehr ausbrütet.

Untersuchungen an Bodenbrütern mit Thermologgern (sie zeichnen die Temperatur im Nest während der Brutphase auf) und Kameras haben ergeben, dass unsere Bodenbrüter ernsthaft durch Fuchs, Marder, Krähe und Elster gefährdet sind. Dies haben sogar die Verantwortlichen von Nationalparks und Naturschutzgebieten an der Nord- und Ostseeküste erkannt, denn dort wird Prädatorenmanagement intensiv und professionell betrieben. Hier gilt: Wer die Bejagungsmöglichkeiten für Prädatoren im Offenland einschränkt, gibt das Recht ab, sich über Artenschwund in der Feldflur zu beschweren.

Oder anders gesagt: Wem der Erhalt unserer Offenlandarten ernsthaft am Herzen liegt, sollte Anreize für eine intensivere Bejagung schaffen: Finanzielle Unterstützung der Fangjagd mit Lebendfangfallen, Prämien für erlegte Füchse oder Verlängerung der Jagdzeiten wären mögliche Ansatzpunkte. Unterstützung der Jagd statt Einschränkungen wäre zielführend. Hier könnten sowohl Politiker als auch Natur- und Artenschützer ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. Konstruktive Vorschläge zum Wohl der Bodenbrüter und Kleinsäuger sind bei der Jägerschaft immer willkommen.

Erstellt am 23.05.2017
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