Auerwildhegering gut besucht

Klaus Roth sprach über die Rückgangsursachen des Auerwilds im Nordschwarzwald Jahresversammlung des Auerwildhegerings der Jägervereinigung Kreis Freudenstadt e.V.

  • Von links: Klaus Lachenmaier (LJV), Georg Jehle (Kreisforstamt FDS), Klaus Roth, Herbert Ade (KJM)

    Von links: Klaus Lachenmaier (LJV), Georg Jehle (Kreisforstamt FDS), Klaus Roth, Herbert Ade (KJM)

Im November fand in Besenfeld unter der Leitung von Hegeringleiter Klaus Roth die Jahreshauptversammlung des Auerwildhegerings der Kreisjägervereinigung Freudenstadt statt. Nachdem Klaus Roth die interessierten Gäste, Vertreter des Kreisforstamtes, der Kreisjägervereinigung Freudenstadt, des Landesjagdverbandes, die Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Ruhestein und die Hegeberater vom Landesjagdverband begrüßt hatte, präsentierte er seinen Jahresüberblick. 

Um sich ein möglichst genaues Bild zu machen, hat Klaus Roth auch in diesem Jahr wieder einen Großteil der Balzplätze mehrfach besucht. Anhand der Bestandeszahlen des Auerwilds ist zu erkennen, dass die Veränderungen der Bestände über die Jahre ein dauerndes Auf und Ab ist. In diesem Frühjahr konnten an den Balzplätzen im Kreis Freudenstadt wieder 102 Auerhähne ermittelt werden. Dies bedeutet eine deutliche Zunahme um 23% gegenüber dem Vorjahr 2011 mit 83 Hähnen. Im ganzen Regierungsbezirk Karlsruhe konnten im Frühjahr 2012 insgesamt 163 Auerhähne gezählt werden. Dies gliedert sich in folgende 4 Landkreise auf: Freudenstadt 102 Hähne, Rastatt 51 Hähne, Calw 8 Hähne und Stadtkreis Baden-Baden 2 Hähne. 

Im Regierungsbezirk Freiburg sind die Zahlen gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben: Es wurden 152 Auerhähne an den Balzplätzen gezählt. Dies ergibt insgesamt einen ermittelten Bestand von 315 Auerhähnen im ganzen Schwarzwald. 

Im Diavortrag von Klaus Roth wurde sehr deutlich, dass die Habitatpflege (Pflege des Lebensraums) für den Auerwildbestand neben der Bejagung der Beutegreifer Fuchs und Marder die wichtigste Lebensgrundlage ist. Das Auerwild im Nordschwarzwald kommt ausschließlich in der montanen und hochmontanen Zone auf Buntsandstein vor. In der montanen Zone zwischen 600 und 800 m ü.N.N. ist das Auerwild fast vollkommen verschwunden, insbesondere auf der Ostabdachung des Nordschwarzwaldes, und zwar vor allem durch das Zuwachsen der Habitate mit Fichtenjungwuchs. 

Das Auerwild im Nordschwarzwald beschränkt sich heute weitgehend auf die hochmontane Zone zwischen 850 und 1100 m ü.N.N. (d. h. auf die Hochlagen). Der Urvogel Auerhuhn bevorzugt eindeutig lichte Waldbestände. Gute Auerwildhabitate bieten reichlich Äsung, gute Deckung, jederzeit rasche Fluchtmöglichkeit und geeignete Waldflächen zum Balzen. Im Diavortrag von Klaus Roth wurden Auerwildhabitate aus allen Bereichen des Nordschwarzwalds gezeigt, auch mit balzenden Hähnen und Hennen. Bei beeindruckenden Dias vom Zuwachsen der Habitate durch enorme Fichtennaturverjüngung wies Klaus Roth nachdrücklich auf die Gefahren dieser Lebensraumzerstörung hin. Der Grund für die überaus verbreitete und schnellwüchsige Fichtennaturverjüngung wird von Wissenschaftlern im starken Stickstoffeintrag aus der Luft in den Boden gesehen. (Hervorgerufen vor allem durch Abgase von Autos, Motorrädern und Flugzeugen)

Der starke Stickstoffeintrag begünstigt offensichtlich das Wachstum der Fichten. 

In der anschließenden Diskussion mit Klaus Roth als Moderator wurde sehr schnell klar, dass der geplante Nationalpark große Probleme mit der enormen Fichtennaturverjüngung haben würde. Befürworter des Nationalparks erklärten, dass im Nationalpark in den großen geschützten Flächen, d.h. von der Forstwirtschaft völlig unbeeinflussten Flächen, die Natur sich selbst total überlassen würde. (Sogenannte „ Prozessschutz-Flächen“) Dadurch würden von selbst immer wieder neue Auerwildhabitate entstehen (z.B. durch „Naturkatastrophen“ wie der Orkan Lothar) Anwesende Auerwildexperten – auch aus den Nachbarkreisen – bezweifelten dies und erklärten, dass in einem Nationalpark mit 75% Prozessschutzflächen ( „Kernzone“) das Auerwild auf Dauer keine Chance zum Überleben habe. In dieser vorgesehenen Kernzone, in der sich heute die besten Balzplätze des Nordschwarzwalds befinden, würden die neuentstandenen offenen Flächen sehr schnell wieder mit Fichten total zuwachsen und dadurch für das Auerwild nicht mehr nutzbar sein. Die Aussage: „Das Auerwild braucht keinen Nationalpark, ein Nationalpark aber braucht das Auerwild, fand großen Beifall sehr vieler Anwesender. Es wurde gefordert, dass – falls der Nationalpark kommen würde – für das Auerwild Ausnahmeregelungen gelten müssten, d.h. forstliche Habitatgestaltungsmaßnahmen bei Bedarf unbedingt möglich sein müssten. 

Gegner wie Befürworter des Nationalparks waren sich in der durchweg fairen Diskussion einig, dass der Auerhahn – das Wappentier des Landkreises Freudenstadt – unter allen Umständen erhalten werden müsse.

Erstellt am 16.04.2014
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