Jäger sorgen sich um Zukunft der Jagd

Podiumsdiskussion in Gengenbach

Über 600 Jäger trafen sich am 3. Dezember in der Gengenbacher Kinzigtalhalle, um mit Politikern sowie Vertretern der Land- und Forstwirtschaft, der Kommunen und des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) zu diskutieren.
Moderator Ulf Tietge begann die Diskussion mit der zentralen Frage des Abends: Warum brauchen wir ein neues Jagdgesetz? „Das haben wir uns im MLR anfangs auch gefragt“, sagte Jagdreferent Bernhard Panknin. „Aber ein grundlegend neues Jagdgesetz bietet eben eine ganze Reihe von Chancen.“ Panknin führte die beispielhafte Neuregelung des Wildschadensausgleichs an und machte deutlich, dass zu vielen Beutegreifern letztlich nur mit einem an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren Wildtiermanagement beizukommen sei.
Außerdem waren auf dem Podium die Landtagsabgeordneten Volker Schebesta (CDU), Dr. Friedrich Bullinger (FDP) und Reinhold Pix (Grüne). Während Pix vehement für ein neues Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz plädierte, lehnten Schebesta und Bullinger dies ab. „Wir brauchen kein neues Jagdgesetz“, sagten die beiden Oppositions-Politiker. Vielmehr müsse die Politik auch in Zukunft dem Sachverstand der Jäger vertrauen und nicht dem Irrtum erliegen, auf immer mehr Bürokratie zu setzen. Sasbachwaldens Bürgermeister Valentin Doll machte deutlich, dass die Kommunen Einschränkungen im Jagdrecht und damit im Eigentumsrecht von Waldbesitzern besorgniserregend finden. Schon jetzt ließen sich viele Reviere nicht mehr verpachten, bestätigte auch Peter Wälde, Vizepräsident der Forstkammer.
Uneinig sind sich Jäger, Regierungspartei und Naturschützer bei der Frage einer generellen Jagdruhe von Februar bis April. Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann sprach sich vehement dafür aus, vor allem Füchse und Wildschweine auch im Winter zu bejagen. Ansonsten sei den z. T. viel zu hohen Populationen nicht beizukommen. In diesem Zusammenhang trage auch die Landwirtschaft Verantwortung, die entlang der Rheinschiene immer mehr Mais anbaut.

Der Kreisvorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, Franz Josef Müller, machte indes deutlich, dass man nicht allein den Landwirten den „schwarzen Peter“ zuschieben dürfe. Er zeigte sich aber offen für neue Ideen wie z. B. einen Pflanzabstand zu Wäldern oder Schussschneisen in großen Maispflanzungen. Bisher jedoch verhinderten bürokratische Regelungen die Umsetzungen dieser Ideen. Zur Freude der Jäger und Naturschützer ließ Bernhard Panknin durchblicken, dass längere Schonzeiten für Wild zwingend mit Wegegeboten einhergehen müssten. Es könne nicht sein, dass Jäger auf die Wildruhe achten müssten, gleichzeitig aber zahlreiche Freizeitsportler im Wald für Unruhe sorgten.
Friedmann betonte noch einmal: „Jäger benötigen praxisgerechte Regelungen, die ein eigenverantwortliches Jagen überall dort ermöglichen, wo man jagen kann und nicht nur dort, wo man jagen muss. Tier- und Naturschutz sowie der Schutz von Land- und Forstwirtschaft vor Wildschäden sowie des Grundeigentums sind dabei seit eh und je elementarer Bestandteil jägerischen Selbstverständnisses und der Jagdausübung. Auch in der Zukunft wollen wir unseren Auftrag mit Leidenschaft so gut erfüllen wie bisher – ohne zusätzliche Belastung für den Steuerzahler.“

Frederik Daniels

Erstellt am 20.05.2014
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