LJV und AHG: Ausufernder Sommer-Freizeitspaß gefährdet das letzte Auerwild im Schwarzwald

Anlässlich der Jahresversammlung der Auerwildhegegemeinschaft im Regierungsbezirk Freiburg (AHG) am 4.7. in Schonach kamen alarmierende Meldungen aus dem gesamten mittleren und südlichen Schwarzwald auf den Tisch.

Die Jäger haben sich den Schutz des gefährdeten Auerhuhns auf die Fahnen geschrieben – obwohl es seit mehr als 30 Jahren nicht mehr bejagt werden darf. Anlässlich der Jahresversammlung der Auerwildhegegemeinschaft im Regierungsbezirk Freiburg (AHG) am 4.7. in Schonach kamen alarmierende Meldungen aus dem gesamten mittleren und südlichen Schwarzwald auf den Tisch. Der Wildbiologe Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband Baden-Württemberg bestätigte heute in Stuttgart: „Zunehmend werden so genannte Natursportarten in den Sommerferienmonaten zur Gefahr für unsere Wildtiere. Wanderer, Jogger, Mountainbiker, Walker und Reiter die sich an die Wege halten, schaden der Natur nicht. Schon Naturfreunde wie Pilzsucher und Beerensammler aber sorgen für Unruhe unter Wildtieren. Kommen nun Freizeitvergnügen wie Orientierungsläufe, Nachtwanderungen und Radtouren mit Stirnlampe dazu, wird den meisten Wildtieren das Leben zum Stress. Geocaching, eine Schatzsuche per GPS, wird von vielen Gemeinden und Tourismusverbänden gefördert, ohne Absprachen mit Naturschutz- und Forstverwaltung zu treffen, geschweige denn die Jägerschaft zu informieren“.

Neben dem Geocaching erwarten die Artenschützer auch von Neuerungen wie Elektrobike und Segway zunehmende Belastungen. „Das von der Forstverwaltung auf den Waldwegen tolerierte Elektrobike wird mit Sicherheit noch mehr Besucher insgesamt, und zuhemend auch in bisher abgelegene Rückzugsgebiete bringen“ so der Vorsitzende der AHG Dr. Gerrit Müller. „Ungestörte Ruhezonen sind aber für die Auerhühner unverzichtbar. Wenn es nicht gelingt, durch Absprachen im Vorfeld und Sensibilisierung der Benutzer und Veranstalter der neuer Techniken diesen Wildwuchs zu steuern, bleiben nur noch Verbotsmaßnahmen.“

Die landesweit geltenden Bestimmungen von Jagd - und Waldgesetz sehen hierfür Wildschutzgebiete vor, die bislang vorwiegend zum Schutz des Auerwildes im Winter und Frühjahr ausgewiesen wurden. Dort ist das Betreten auf die geschotterten oder markierten Wege beschränkt. Im Rahmen der Umsetzung des 2008 von der Landesforstverwaltung initiierten und u .a. in Kooperation mit dem Landesjagdverband formulierten Aktionsplans Auerwild soll in nächster Zeit geprüft werden, wo solche Regelungen auch im Sommer dem Auerwild und anderen Wildarten Ruhe für die Jungenaufzucht bringen. Vor allem die Küken sind in den ersten Lebenswochen extrem empfindlich. 

Noch ca. 330 Auerhähne gibt es nach der jüngsten schwarzwaldweiten Erhebung unter Mitarbeit der AHG. Jäger, Förster und sonstige Naturfreunde ermitteln hier Jahr für Jahr die Zahl der Hähne an den Balzplätzen. Auch wenn der Bestandstrend in den letzten vier Jahren leicht nach oben geht, konnte Müller keine Entwarnung geben: „Erst wenn die Küken über einen möglichst warmen und störungsfreien Sommer kommen, können wir zufrieden sein und ihnen alles Gute für ihren ersten Winter wünschen, den die Hälfte des verbleibenden Nachwuchses im Durchschnitt der Jahre leider nicht übersteht.“

Der Landesjagdverband (LJV) bittet daher Erholungssuchende um Rücksichtnahme für die Wildtiere ihres Heimat- oder Urlaubsortes. Er fordert darüber hinaus die Gemeinden auf, Konzepte für naturverträgliche Freizeitnutzungen in sensiblen Gebieten nicht nur für das Auerwild, sondern auch für andere ruhebedürftige Tierarten zu entwickeln und konsequent umzusetzen. Klaus Lachenmaier vom LJV: „Verständlich, dass es Menschen an heißen Tagen zu einem Spaziergang in den kühlen Wald lockt. Aber es muss nicht abseits der Wege in den letzten Winkeln sein.“

Erstellt am 16.04.2014
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