Wildtierforum stellt Weichen für die Zukunft

Mit Bildergalerien zu Exkursion und Tagung

Das Wildtierforum 2016 lieferte konkrete Aussagen für das zukünftige Wildtiermonitoring in Baden-Württemberg

Erstellt am 18.03.2016

Mit einer konkreten Perspektive für das zukünftige Wildtiermonitoring in Baden-Württemberg endete am 17.03. das Wildtierforum 2016 in Dettingen/Teck. Vor insgesamt rund 200 Teilnehmern aus Jägerschaft, Behörden, Naturschutz und Forschung bei Exkursion und Tagung, diskutierten Wildforscher, Behörden und Jäger die Organisierung der neuen gesetzlichen Aufgabe nach § 43 JWMG, wonach „die jagdausübungsberechtigte Person der unteren Jagdbehörde zum Ende jeden Jagdjahres über ihre Beobachtungen zu Wildtieren und zu den jeweiligen Verhältnissen im jeweiligen Jagdrevier und Jagdjahr insbesondere zu Bestand, Lebensraum und Zustand zu berichten“ hat.

 

Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann stellte in seiner Einführung heraus, dass Jäger bereits seit langem Grundlagendaten für Naturschutz, Jagd und Wildtiermanagement liefern. Zukünftig werden sie noch umfangreicher Monitoringdaten als Entscheidungsgrundlagen für das Wildtiermanagement sammeln. Daher stellen sie auch den Anspruch, in der Analyse und Bewertung dieser Daten beteiligt zu sein. Er kündigte ein neues Monitoringprogramm der Jägerschaft durch ein Totfundkataster in Kooperation von LJV, DJV und Universität Kiel an.

 

Die Wildökologin des Deutschen Jagdverbandes, Johanna Arnold, betreut das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) und gab einen Erfahrungsbericht aus 15 Jahren Wildtiermonitoring der Jägerschaft mit Beispielen zu interessanten und wichtigen Ergebnissen. Sie ging auf methodische Fragen und die Qualitätssicherung der Daten ein. Eine Ihrer wichtigsten Empfehlungen war, die Jägerschaft mitzunehmen und zu motivieren durch praxisgerechte Methoden und gute Betreuung.

 

Dr. Janosch Arnold, der neue Leiter der Wildforschungsstelle, und sein Mitarbeiter Peter Linderoth konnten bereits viele Beispiele für bisher geleistete Monitoringarbeit in Baden-Württemberg vorstellen. Sie stellten im nationalen Vergleich gute Rückmeldequoten in Baden-Württemberg bei der Flächendeckenden Einschätzung im WILD heraus. Für diese Arbeiten ging Ihr Dank an die Jägerschaft. Sie sprachen von einer hohen Motivation der Jäger, die es zu fördern und in Zukunft auszubauen gelte.

 

Dr. Rudi Suchant, Leiter des Arbeitsbereichs Wildökologie an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) stellte gemeinsam mit Dr. Micha Herdtfelder und Sabrina Streif Ergebnisse des Wildtiermonitorings der FVA vor. Er ging auf methodische Fragen ein und stellte wie seine Vorredner heraus, warum das Wildtiermonitoring keine lästige Pflichtaufgabe, sondern eine unverzichtbare Grundlage für Forschung und Politik und eine große Chance für die Jägerschaft darstellt. Mit Einblicken in die Arbeiten über Wildkatze und Luchs konnte die Bedeutung des Monitorings verdeutlicht werden.

 

Dr. Jürgen Marx von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz brachte die Seite der Naturschutzverwaltung in die Fragestellungen ein. Zunächst berichtete er über den eindrucksvollen Umfang des Naturschutzmonitorings das in Baden-Württemberg haupt- und ehrenamtlich betrieben wird. In einigen Fällen sind gesetzliche Überschneidungen mit dem Wildtiermonitoring gegeben, für viele Beispiele lässt sich auch ein klarer inhaltlicher Zusammenhang mit dem Wildtiermonitoring erkennen. Er bot an, die vorhandenen Monitoringsysteme auch im Wildtiermonitoring zu nutzen. Die von ihm gestellte Gretchenfrage, ob eine Zusammenarbeit dieser heute getrennten Felder möglich sei, beantwortete er somit positiv.

 

Dr. Hans-Günther Bauer vom Max-Plack-Institut für Ornithologie in Radolfzell sprach auch für ehrenamtlich organisierte Vogelkundler der Ornithologischen Gesellschaft Baden-Württemberg (OGBW). Diese leisten u.a. in der Internationalen Wasservogelzählung bereits seit Jahrzehnten wertvolle Monitoringarbeit. Sie erfolgt meist mit Blick auf Naturschutzfragen und liefert vielfache Datengrundlagen für Schutzgebiete, Gesetzesgrundlagen und Naturschutzinstrumente wie die Rote Liste. Das moderne System der Einstufung von Arten in Rote Liste stellte er vor. Er richtete den Appell an die Jägerschaft, die Bejagung von Vogelarten der beiden höchsten Stufen der Roten Liste einzustellen und bezog sich dabei auf die aktuell negative Entwicklung bei der Tafelente.

 

Bernhard Panknin, Leiter der Obersten Jagdbehörde am Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) summierte in 10 Arbeitsthesen eine Grundlage für die zukünftige Aufstellung des Wildtiermonitorings. Wichtige Thesen betrafen Umfang und Form der von Jägern geforderten Berichterstattung, die Zusammenarbeit der Träger des Monitorings sowie den Zeitplan des Ministeriums für die Umsetzung des ehrgeizigen Gesamtpakets. Mit praxisgerechten Berichtsformen, partnerschaftlicher Zusammenarbeit am Wildtierbericht und realistischer Zeitperspektive gelang ihm ein Gesamtvorschlag, der einen realistischen Diskussionsrahmen für die Detailabstimmung darstellt. Die Bedenken, pro Revier jährlich einen schriftlichen Wildmonitoringbericht verfassen zu müssen, konnte er entkräften: rund 6.500 schriftliche Berichte auszuwerten sei für die Datenanalyse „der Albtraum der Wildforscher“. Hier stehen einfachere, effektiv auswertbare Methoden, z.B. analog der Flächendeckenden Einschätzung per Fragebogen, zur Verfügung.

 

Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann stellte zusammenfassend für den LJV fest, dass die Veranstaltung nicht nur bisher verstreutes Wissen in neuem Zusammenhang zusammenführen konnte, sondern auch alle wichtigen Hinweise für die künftigen Aufgaben lieferte. Mit Vorbehalt auf die detaillierte Ausarbeitung begrüßte er die Vorschläge des MLR und drängte auf eine zeitnahe Praxisanweisung, um die Unklarheit zur Berichterstattung in der Revieren schnellstmöglich zu beenden. Er betonte die zentrale Rolle der Jägerschaft als Datensammler und damit ihren Anspruch auf Mitsprache in Analyse und Bewertung der Daten.

Erstellt am 31.03.2016
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