Gerade invasive Arten wie die Nilgans oder die Rostgans sorgen vielerorts für Aufsehen. Sie scheinen auf ihrem Vormarsch jedes noch so kleine Gewässer zu besiedeln und verhalten sich hauptsächlich vor, nach und während der Brut- und Aufzuchtzeit äußerst aggressiv gegenüber anderen Arten. Sie halten sich dabei nicht nur an naturnahe Lebensräume wie größere Seen, Flüsse oder Ähnliches, sondern besiedeln auch gerne kleinere Teiche in Parkanlagen oder erschließen sich sogar Schwimmbäder als neue Wohlfühloase. Gerade hier werden sie allerdings schnell zum Problem, denn ihre Hinterlassenschaften sind nicht nur unschön anzusehen, sondern gefährden auch die menschliche Gesundheit. In Badeseen fördern größere Mengen Gänsekot zudem das Algenwachstum und beeinflussen die Wasserqualität, was in Extremfällen sogar zu Fischsterben führen kann.
Arten wie die Grau-, Saat-, Bläss- oder Kanadagans breiten sich ebenfalls schnell aus. Während die Entenstrecken bundesweit massiv einbrechen, steigen die Strecken bei den Gänsen kontinuierlich an. Die jährliche Streckenzunahme ist dabei gewaltig. Jährliche Zuwachsraten von bis zu 10 % stellen dabei keine Seltenheit dar. Während im Jagdjahr 2007/2008 lediglich 44.000 Gänse bundesweit erlegt wurden, waren es 2023/2024 bereits 149.000 Gänse. Welche Strategie führt uns aber zum Erfolg? Zunächst müssen wir uns hierbei Gedanken darüber machen, welchen Zweck unsere Gänsejagd erfüllen soll. Hierbei unterscheiden wir zwischen „Vergrämungsjagd“ und „Jagd zur Bestandsreduktion und Wildbretgewinnung“. Nicht zu vernachlässigen ist auch die sichere Ansprache der einzelnen Gänsearten, denn auf der Jagd muss es oftmals schnell gehen und nicht alle Arten sind jagdbar. Ohne ausreichende Artenkenntnis verbietet sich die Jagd auf Gänse generell.
Planung ist alles
Gänse äugen sehr gut, sind wahnsinnig intelligent und gelehrig. Das bedeutet, wir müssen bei der Gänsejagd äußerst vorsichtig handeln, um die Gänse nicht „schlau zu jagen“. Aus diesem Grund sollten wir die beiden Aspekte Vergrämung und Reduktion nie ungewollt miteinander vermischen. Für die Praxis bedeutet dies, dass man vor einer geplanten Jagd mit dem Lockbild z. B. auf der Getreidestoppel keine Gänse mit der kleinen Kugel vom Ansitz oder über die Motorhaube erlegen darf. Die Gänse müssen sich sicher fühlen und den Fraßplatz täglich aufsuchen können. Bereits nach einer Kugelgans wird der Fraßplatz meist für mehrere Tage gemieden, somit verbietet sich vor allem der Schuss in größere Gänseansammlungen. Für die reine Vergrämung gilt natürlich das genaue Gegenteil! Wer dennoch hin und wieder eine Kugelgans erlegen möchte, sollte stets den Grundsatz „keine Zeugen hinterlassen“ berücksichtigen. Gerade bei einzelnen Vögeln oder Gänsepaaren ohne Nachwuchs können wir nicht viel falsch machen, sofern wir beide Vögel erlegen. Ein kleines Kaliber, wie beispielsweise die .223 Rem, am besten schallgedämpft, hat sich hierfür bewährt. Nach dem ersten Schuss steigt die zweite Gans oft kurz auf und setzt sich danach zügig wieder. Selbst wenn sie abstreicht, sollte man rasch nachladen und weiter ruhig im Anschlag verharren. Nicht selten dreht die zweite Gans nur eine kleine Runde und kehrt anschließend zum Partner zurück, wodurch sich die Chance auf den zweiten Schuss ergibt.
Wer Gänse auf dem Strich oder mit dem Lockbild bejagen möchte, kommt um die Auskundschaftung der genauen Flugrouten, den Schlafgewässern und den morgendlichen Fraßplätzen nicht herum. Gänse und Enten fallen generell immer gegen den Wind ein und streichen, wenn möglich, auch immer gegen den Wind ab. Diese Tatsache müssen wir in unserer Planung im Vorfeld und bei der Jagd vor Ort kurzfristig berücksichtigen. Dreht der Wind, kommen die Gänse aus einer anderen Richtung.
Um eine tierschutzgerechte und effiziente Jagd zu ermöglichen, ist in jedem Fall ein brauchbar geprüfter Jagdhund mitzuführen. Dieser sollte während der Jagd in einem getarnten Unterstand abliegen. Ein geeigneter Gehörschutz auch für den Hund ist im Handel erhältlich.
Vergrämungsjagd
Sollen Gänse lediglich an einem bestimmten Ort, z. B. in einem Schwimmbad, auf einem Golfplatz oder einer landwirtschaftlichen Fläche, vergrämt werden, muss dieser Aspekt in den absoluten Mittelpunkt unserer Jagdstrategie gerückt werden. Hierbei sind alle Hilfsmittel sinnvoll, welche den Vergrämungseffekt im regulären Tagesgeschäft steigern. Möchte ich auf einem Golfplatz beispielsweise Gänse vergrämen, steigere ich den Effekt zusätzlich, indem ich die Gänse als Golfspieler verkleidet bejage und ggf. sogar mit einem Golfcart in die Nähe der Gänse fahre. Die schlauen Vögel verknüpfen Kleidung, Ausrüstung und Fahrzeuge anschließend schnell mit Gefahr und flüchten, sobald sich jemand entsprechend ausgerüstet nähert.
Ein weiteres hilfreiches Vergrämungsmittel können Altgrasstreifen, Deckungsinseln oder Hecken sein. Gänse besitzen ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsverlangen, weshalb sie ihr Umfeld gerne weiträumig im Blick behalten. Wenn ihnen eine Fläche nicht sicher genug erscheint, wird diese in der Regel gemieden. Gerade Graugänse reagieren sehr schnell auf solche Maßnahmen, Nilgänse hingegen lassen sich auf diese Art nur wenig beeindrucken, hier kann eine gezielte zusätzliche Bejagung „aus der Deckung“ den Effekt verstärken.
Für landwirtschaftliche Flächen gilt Ähnliches. Sobald Gänse regelmäßig auf derselben Fläche Fraßschäden verursachen, können wir durch jagdliche Vergrämungsmaßnahmen die Schäden reduzieren. Diese reichen von der regelmäßigen „Kugelgans“ bis hin zur geplanten Vergrämungsjagd mit dem Lockbild. Aufgrund der aktuellen Jagd- und Schonzeitenregelung in Baden-Württemberg kommt diese Art der Bejagung hauptsächlich im Spätjahr bzw. in den Wintermonaten in Frage. Doch auch im Frühjahr gibt es hin und wieder die Möglichkeit, bei zu groß werdenden Schäden Sondergenehmigungen zur Vergrämung auf geringe Stückzahlen zu erhalten. Wichtig ist hierfür vor allem, dass der Landwirt auch kleinere Schäden kontinuierlich dokumentiert und meldet.
Gänsestrich
Wer Gänse auf dem Strich bejagen möchte, benötigt geeignete Wasserflächen im Revier. Wie bei den Enten gilt auch bei den Gänsen: ohne ausreichend Wasser kein passender Strich. Während Enten gerne auch über schmale Gewässer oder gar am Ufer entlang streichen und selbst kleine Tümpel als nächtliche Fraßplätze angenommen werden, achten Gänse auch hierbei auf ausreichend Abstand bzw. Größe. Ideal sind deshalb Flussbereiche, welche maximal 50 bis 60 Meter breit sind, sodass die Gänse häufig auf maximal 35 Meter an einem vorbei streichen. Die Jagd an Seen gestaltet sich meist nochmals schwieriger, da Gänse oft weit vom Ufer weg, oft sogar mitten auf dem See landen. Erfolgreich ist hier nur derjenige, der genau auskundschaftet und Flugrouten kennt, welche bei bestimmten Windrichtungen in entsprechender Höhe über Schilf oder Hecken führen. Es gibt sicherlich Regionen oder Bundesländer, in denen die Jagd auf dem Strich eine größere Bedeutung hat und auch für größere Strecken sorgt. Maßgeblich hierfür ist jedoch die Anzahl der streichenden Gänse. Während wir in Baden-Württemberg bereits ab wenigen Dutzend Gänsen von einem guten Strich sprechen, kommen einem in küstennahen Regionen oft mehrere hundert oder gar tausende Gänse in Anblick.
Das Lockbild
Wer regelmäßig größere Gänsestrecken erreichen möchte, wird über kurz oder lang nicht an der Jagd mit Lockbild und Gänseliege vorbeikommen. Bei der Gänsejagd mit dem Lockbild gilt meistens: umso mehr, umso besser. Doch auch hierbei gibt es Ausnahmen. Wichtiger als die reine Anzahl ist die Qualität der Lockvögel und wie naturnah das Lockbild aufgebaut wird. Wenn im Winter auf einer kleinen Fläche täglich nur ein bis zwei Dutzend Gänse sitzen, kann ein großes Lockbild mit fünfzig und mehr Gänsen durchaus auch Misstrauen erwecken, gerade wenn die Gänse in der jeweiligen Region unter entsprechendem Jagddruck stehen. Sitzen jedoch mehrere hundert oder tausend Gänse auf einer größeren Fläche, spielt die Anzahl sehr wohl eine Rolle. Die Anziehungskraft des eigenen Lockbildes auf anstreichende Gänse nimmt mit der Anzahl der Lockvögel erfahrungsgemäß zu. Die einzelnen Gänsearten unterscheiden sich zudem massiv im Hinblick auf deren Empfindlichkeit. Graugänse sind die wohl mit Abstand empfindlichsten Gänse, die in Deutschland vorkommen. Sie achten auf jedes noch so kleine Detail im und um das Lockbild und drehen bei der geringsten Ungereimtheit ab. Eine Gänseliege, die zu hoch vom Boden aufträgt, mangelnde Tarnung, sogar Schmutz, Reif oder Kondenswasser auf den Lockvögeln genügen, und der Jäger hat bei den Grauen das Nachsehen. Wer erfolgreich auf Graugänse waidwerken möchte, sollte aus diesem Grund lieber etwas tiefer in die Tasche greifen und beflockte Vollkörperattrappen kaufen. Mit beflockten Halbschalen lässt sich das Lockbild zudem ergänzen. Kanada- oder Nilgänse hingegen sind relativ entspannt und fallen teilweise sogar unmittelbar nach der Erlegung anderer Individuen in Sichtweite, noch ins Lockbild ein. Auch bei dieser Jagdart gilt der Leitsatz „Planung ist das halbe Leben“. Wenn Gänse erstmal einen guten Fraßplatz ausfindig gemacht haben, fliegen sie diesen sehr gezielt an. Steht das Lockbild nur einhundert Meter neben dem eigentlichen Fraßplatz, fällt die Strecke bereits deutlich geringer aus oder bleibt sogar komplett aus. Sobald erstmal die ersten „echten“ Gänse auf dem Acker sitzen, üben diese eine um ein vielfaches größere Anziehungskraft auf die nächsten Ankömmlinge aus. Erlegte Gänse müssen umgehend aus dem Lockbild entfernt werden. Bei der Tarnung der Liegen wird auf Material aus der Umgebung zurückgegriffen. Jagt man auf einem Stoppelacker, wird Stroh zur Tarnung der Liegen genommen, jagt man im Grünland oder Raps, wird die Tarnung entsprechend angepasst. Bei Graugänsen kann es unter Umständen sogar sinnvoll sein, die Liege am Vorabend ein Stück weit in den Boden einzugraben, um möglichst flach auf dem Acker zu liegen und keine künstliche Erhebung zu schaffen. Ein Nachteil bei dieser Art der Liegentarnung ist, dass man auf die Windrichtung nicht mehr so flexibel reagieren kann. Bietet ein Acker zu wenig Deckung, kann hier auch im Vorfeld nachgeholfen werden. Ein Stroh- oder Reisighaufen an entsprechender Stelle – nicht aber erst am Jagdtag aufgebaut – bietet schnell ausreichend Deckung für die Gänseliege.
Tarnen und Locken
Die Tarnung spielt bei der Gänsejagd immer eine entscheidende Rolle. Selbst kleine Gesichtspartien, schnelle Bewegungen oder ein glänzender Flintenlauf können die Gänse bereits auf große Entfernungen zum Abdrehen bewegen. Deshalb sollte bei der Gänsejagd entsprechende Tarnkleidung und vor allem auch eine Gesichtsmaske getragen werden. Wer mit dem Gedanken spielt, Lockinstrumente einzusetzen, sollte deren Anwendung davor unbedingt trainieren. Eine so genannte „Goose-Flag“ kann gerade bei vorbeistreichenden Gänsen ebenfalls Eindruck hinterlassen und das ein oder andere Schof zum Umkehren bewegen.
Waffe und Munition
Beim Thema Waffe und Munition scheiden sich bekanntermaßen die Geister. Fakt ist, eine halbautomatische Flinte, welche in BW sogar mit 5 Schuss geladen werden darf, bringt immense Vorteile mit sich. Allein das Laden ist auf der Liege unkomplizierter möglich als mit einer Kipplaufflinte. Auch die im Handel erhältlichen Tarnmuster, welche bereits ab Werk aufgebracht werden, erübrigen das Einwickeln des Flintenlaufs mit tarnfarbenem Tape oder Ähnlichem. „Gänseflinten“ werden häufig im Kaliber 12/89 angeboten, die meisten „verdauen“ jedoch auch Standardpatronen im Kaliber 12/70. Viele glauben, dass man Gänse nur mit Vorlagen von mindestens 50, besser noch 60 und mehr Gramm zuverlässig erlegen kann. Diese Vermutung ist jedoch absoluter Quatsch. Wer nicht zwingend bleifrei schießen muss, ist gut mit Patronen um 2,8 bis 3,2 mm und 32 bis 36 g Vorlage beraten. Bei bleifreien Patronen empfiehlt es sich durchaus, 1 bis 2 Nummern größer zu wählen, um die entsprechende Energie zu erreichen. Wichtiger als die Vorlage sind Deckung der Patrone, Haltepunkt und Schuss-entfernung. Oft wird Flugwild im Allgemeinen von meist ungeübteren Schützen viel zu weit beschossen. Die weite Schießentfernung möchte man deshalb mit Magnumpatronen ausgleichen, was jedoch absolut nichts bringt. Die Energie, die ein Schrotkorn abgibt, ist lediglich von der Geschwindigkeit und der Masse des einzelnen Korns abhängig, nicht jedoch von der Gesamtvorlage. Das Gefieder einer Gans an der Brust ist enorm dicht und dick. Eine Schrotgarbe auf zu große Entfernung bringt nicht mehr genügend Energie, um die Gans zuverlässig zu töten. Gänse drehen wie Enten gerne die ein oder andere Runde um das Lockbild, bevor sie einfallen. Wichtig ist hierbei: Ruhe bewahren und warten! Sobald die Gänse die Latschen nach vorne nehmen und die „Landeklappen“ ausfahren, sollten sie nahe genug im Lockbild sein.
Das Wetter
Das Wetter spielt bei der Gänsejagd nur bedingt eine Rolle. Fakt ist, bei Nebel geht nichts. Bei stärkerem Wind und dicht bewölktem Himmel fliegen die Gänse eher ein bisschen tiefer und lassen sich meist eher zur Landung bewegen. Leichter Nieselregen ist zwar gerade bei der Jagd aus der Liege etwas unangenehm, stört die Gänse aber nicht und sorgt vielleicht doch dafür, dass der ein oder andere Spaziergänger lieber im warmen Wohnzimmer bleibt.
Benjamin Gut (LJV)
Rechtliche Hinweise zur Gänsejagd
- Für die Jagd auf Flugwild ist ein Schießnachweis, nicht älter als 12 Monate, zwingend erforderlich.
- Die Jagd mit Bleischrot an und über Gewässern ist verboten.

