Zentrale Ergebnisse im Überblick
- Insgesamt sind Laubbaumarten stärker vom Verbiss betroffen als Nadelbaumarten. Bei Eiche, Ahorn, Esche, Hainbuche, Roteiche und Kirsche lag die Verbissintensität in über 75 % der Reviere im mittleren bis starken Bereich. Bei den Nadelbäumen trifft dies lediglich auf die Weißtanne zu.
- Die Bewertung der Erreichbarkeit der waldbaulichen Verjüngungsziele zeigt, dass trotz teils hoher Verbissbelastung bei einzelnen Arten die Naturverjüngung auch ohne Schutzmaßnahmen gelingen kann. Die größten Herausforderungen für eine erfolgreiche ungeschützte Verjüngung bestehen bei Weißtanne, Eiche und Kirsche.
Gut zu wissen
Im Abschnitt 3 der Auswertung des Forstlichen Gutachtens wurden Einflussfaktoren auf die Verbissintensität untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich sowohl der Waldanteil eines Reviers als auch der Waldtyp (Nadel-, Laub-, Mischwald) auf den Verbiss auswirken.
„Im Gegensatz zu buchendominierten Laubholzbeständen bieten aufgelichtete Nadelholzbestände im Winter oft mehr Äsung für das Wild, sodass mehr Nahrungsalternativen zu jungen Bäumen (…) zur Verfügung stehen und die Verbissintensität tendenziell verringern kann.“
Ebenfalls wurde der Einfluss des Rehwildabschusses analysiert. Es konnte ein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden: In Revieren mit höheren Abschusszahlen war die Verbissintensität an Eiche und Weißtanne durchschnittlich geringer. Jedoch ist „die Effektstärke im Vergleich zu den anderen untersuchten Variablen nur moderat, sodass bei der Suche nach möglichen Lösungsstrategien eine multifaktorielle Betrachtung stets erfolgsversprechender ist.“
Sarina Beiter
KOMMENTAR DES LJV
Der Jagd kommt im Prozess des Waldumbaus eine wichtige Rolle zu. Für den Erfolg braucht es jedoch weit mehr als eine intensive Rehwildbejagung. Waldstrukturen, Lebensraumqualität und alternative Äsung sollten künftig auch im Forstlichen Gutachten stärker berücksichtigt werden.
Dazu gehören kluge Jagdstrategien, die nicht nur auf Bestandsreduktion setzen, sondern Wildruhe fördern und das natürliche Verhalten respektieren – etwa durch angepasste Jagdzeiten, wechselnde Bejagungsschwerpunkte und ein Lebensraumkonzept mit Ruhezonen und attraktiven Äsungsbereichen.
Mit seinem Projekt Wild‑Wald‑Bewusstsein setzt sich der Landesjagdverband gezielt für diesen Weg ein: weg von pauschalen Forderungen, hin zu Dialog und gemeinsamer Verantwortung. Nur wenn Jagd, Waldentwicklung und Wildbiologie zusammen gedacht werden, entstehen Lösungen, die sowohl dem Wald als auch dem Wild gerecht werden.

