Landesjägertag 2025: Gemeinsam für Wild und Wald

Das „Wild-Wald-Bewusstsein“ war das Schwerpunktthema des diesjährigen Landesjägertages. Erfolge bei Diskussionen um Jagdzeiten auf Rehwild und invasive Arten sowie Ankündigungen zu Rotwild und Wolf zeigten: Die Stimme der organisierten Jägerschaft hat Gewicht – auf Landes- und Bundesebene.

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Der Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern ist entscheidend, um diese fit für die Zukunft zu machen. Doch Wälder sind weit mehr als nur Sauerstoffspender, Holzlieferanten und Erholungsräume für Naturnutzer – sie sind auch unverzichtbarer Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Besonders das Reh wird jedoch häufig zu einem Symbol der Herausforderungen im Waldumbau. Um den Wildtieren in dieser Debatte eine Stimme zu geben, stellte der Landesjagdverband Baden-Württemberg auf dem diesjährigen Landesjägertag das „Wild-Wald- Bewusstsein“ in den Mittelpunkt. 

„Wir sind ausgesprochen gerne zu Gast hier bei euch“, richtete sich Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann in seiner Begrüßungsrede an die den diesjährigen Landesjägertag ausrichtende Kreisjägervereinigung Calw. Und Altensteig hätte für das Schwerpunktthema nicht besser gewählt sein können: „Wir haben über 90 Prozent Waldfläche – der Landkreis Calw ist der richtige Ort, um diesen Landesjägertag durchzuführen“, sagte Landrat Helmut Riegger und fuhr fort: „Der Landesjägertag ist Ausdruck einer tiefen Verbindung zwischen Menschen, Natur und Jagd. Sie tragen Verantwortung – nicht nur für das Wild, sondern auch für Wald, Biodiversität und das Gleichgewicht der Ökosysteme.“

Auch das Grußwort von Oliver Valha, Bürgermeister der Stadt Altensteig, war von Wertschätzung geprägt: „Wir erleben in Altensteig eine Zusammenarbeit von Fachexperten auf Augenhöhe – wir wollen gemeinsam nach Lösungen suchen, um Waldumbau mit Wild zu ermöglichen.“ Valha lobte das Engagement der organisierten Jägerschaft, die zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Wildunfällen ausrückt, Kitze rettet, Landwirte bei der Wildschadensverhütung unterstützt und mit der Bildungsinitiative Lernort Natur Kindern und Jugendlichen Wild, Jagd und Natur näherbringt. „Danke für Ihr Engagement in Ihrer Stadt oder Gemeinde!“ Das Grußwort des Deutschen Jagdverbandes überbrachte DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke, begleitet von Olaf Niestroj, Geschäftsführer des DJV. Sehr gerne sind die beiden Spitzenvertreter des Bundesverbandes der Einladung gefolgt. „Ohne Zweifel ist der Landesjagdverband Baden-Württemberg einer der starken Landesjagdverbände, einer der aktiven – und ein loyaler Landesjagdverband“, sagte Helmut Dammann-Tamke. Der DJV-Präsident hatte zwei Themen nach Altensteig gebracht: „Zum Thema Wolf haben wir ganz aktuell enorme Fortschritte gemacht.“ Nur zwei Tage zuvor hatte der DJV eine Einigung im „Aktionsbündnis Forum Natur“ (AFN) erzielt. „Wir haben ein Verbändepapier geeint auf den Weg gebracht, das der Bundesregierung jetzt einen klaren Weg aufzeigt, wie das im Koalitionsvertrag vereinbarte regional differenzierte Bestandsmanagement rechtlich sauber in Deutschland durchgeführt werden sollte – und kann.“ Dieses besteht aus zwei Säulen: Zum einen muss der Zuwachs aus der Population genommen werden, um das schnelle und dynamische Wachstum einzugrenzen. Hier lautet die Empfehlung: Eine feste Jagdzeit von Juli bis Oktober, in der 40 Prozent des Zuwachses entnommen werden soll. Die zweite Säule bezieht sich auf ein Riss-Reaktions-Management. Nach einem Nutztierriss muss schnell gehandelt werden, der Verursacher innerhalb von 72 Stunden entnommen werden, bis zur Entnahme eines ganzen Rudels, um zu verhindern, dass abwandernde Jungwölfe dieses Jagdverhalten in neue Territorien hineintragen. Den zweiten Schwerpunkt legte der DJV-Präsident auf die Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen Medien, die in den jungen Generationen Zeitungen und Nachrichten als Informationsmedien vollständig verdrängen. „Es ist alternativlos, dass wir uns wesentlich stärker in die neuen Medien begeben müssen. Wenn wir das nicht eingehen, werden wir die Jungen verlieren – und wer die Jugend verliert, hat als Verband keine Zukunft mehr.“

 

Stimme des LJV wurde gehört

„Wer über Umweltschutz spricht, muss Verantwortung übernehmen – und genau das tun unsere Jägerinnen und Jäger Tag für Tag. Es geht nicht um den großen Auftritt und die Selbstinszenierung – sondern um die leisen, entschlossenen Entscheidungen draußen im Revier“, führte Manuel Hagel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, in seiner Rede aus und erklärte: „Für uns als Christdemokraten ist die Natur kein ideologisches Projekt, sondern ein gewachsenes Erbe, das wir mit Verstand und Respekt bewahren. Konservativer Umweltschutz heißt: Maß halten, beobachten, verstehen – und dann verlässlich handeln. Genau das leisten unsere Jägerinnen und Jäger in Baden-Württemberg. Sie schützen, was gewachsen ist, und begleiten, was wachsen soll. Dafür sind wir wirklich zutiefst dankbar und wissen diesen Einsatz für unsere Natur und unsere Kulturlandschaft zu schätzen.“ Manuel Hagel, selbst Jäger und ehemaliger Kreisjägermeister der Jägervereinigung Ehingen, hatte vier Ankündigungen zum Landesjägertag mitgebracht:

  1. Jagdzeit auf Rehwild: Es wird keine Änderungen der Jagdzeit auf Rehwild geben. Diese permanente Diskussion um die Frage, ob das Reh schädlich oder nützlich ist, ist falsch – unser Rehwild ist ein Lebewesen.
  2. Invasive Arten: Es wird eine ganzjährige Jagdzeit auf alle invasiven Arten geben. So wird die Diskussion richtig, weil wir uns auf die konzentrieren, auf die es ankommt.
  3. Rotwildverordnung: Das Abschussgebot auf Hirsche wird aufgehoben. Es wird kein Abschussgebot für Hirsche mehr außerhalb der Rotwildgebiete geben, damit wir endlich zu mehr Artenvielfalt in diesen Fragen kommen.
  4. Generalwildwegeplan: Nach der Landtagswahl soll unter Führung der CDU eine Zuständigkeitsverlagerung des Generalwildwegeplans angestrebt werden: Das Thema muss wieder raus aus dem Verkehrsministerium, rein ins Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Wir brauchen diese Grünbrücken. Und wir müssen diese nicht nur zwingend unter der Frage der verkehrlichen Ertüchtigung diskutieren, sondern unter dem Aspekt des guten fachlichen Nutzens für Natur und Artenvielfalt.

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg begrüßt diese Ankündigungen ausdrücklich. „Wir freuen uns, dass diese verkrusteten Strukturen aufgebrochen werden“, sagte Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann in direkter Reaktion auf Hagels Worte. In seinen jagdpolitischen Ausführungen betonte er: „Unser Landesjagdverband steht für unermüdlichen Einsatz für eine wissensbasierte, fachlich fundierte und handwerklich gut gemachte Jagdpolitik und Jagdgesetzgebung!“ Mit Blick auf das Schwerpunktthema erklärte er: „Dieses Wild-Wald-Bewusstsein nicht nur präsent werden zu lassen, sondern mit Leben zu erfüllen und auf die Fläche, in die Herzen zu bringen – darin sehen wir eine ganze zentrale Aufgabe unseres und Ihres LJV. Wir erleben in zahlreichen anderen Bundesländern heftige Grabenkämpfe vermeintlicher Fraktionen ‚Wild‘ und ‚Wald‘. Dabei sind das nach unserer festen Überzeugung keine Fraktionen. Beides gehört zusammen, wenngleich unterschiedliche Betrachtungsweisen völlig normal, selbstverständlich und notwendig sind.“ Diese Überzeugung teilte auch Wildbiologe Prof. Dr. Dr. Sven Herzog. Er betonte in seinem Impulsvortrag, dass wir hinterfragen müssen, warum und wie wir etwas tun, und mahnte vor fehlendem Unrechtsbewusstsein: „Waldbau braucht nicht immer mehr tote Rehe, sondern ein bewusstes Vorgehen.“ Den Wald-Wild-Konflikt erklärte Herzog zum Mythos: „Wildwiederkäuer sind Bestandteil von Ökosystemen. Zu Ökosystemen gehören Tiere und Pflanzen – und es gibt keinen Konflikt zwischen Wild und Wald, genau so wenig wie zwischen Forelle und Bach.“ Für die Podiumsdiskussion, zu der die Jägerin und Pfarrerin Dr. Anna Scholz sowie Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer, zu Sven Herzog auf die Bühne traten, hatte Moderator und FVA-Direktor Prof. Dr. Ulrich Schraml eine Matrjoschka mitgebracht. Mit dieser sollten die Diskutanten verbildlichen, wie groß die Rolle ist, die das Wild im Waldumbau spielt. Jerg Hilt entschied sich unter dem Einwand, dass es zur Beantwortung mehrere gleich große Puppen bräuchte, für eine Puppe aus der Mitte. „Es ist keine Untertreibung zu sagen, dass das wiederkäuende Schalenwild einen maßgeblichen Einfluss auf den Waldumbau hat – nicht aber den alleinigen. Es geht nicht nur um die Frage nach den Einflussfaktoren, sondern um die Frage, welche Einflussfaktoren ich beeinflussen kann.“ Nach einem kurzen Blick auf die Puppe entschied sich Dr. Anna Scholz dazu, diese wieder zusammenzusetzen: „Für mich als Theologin ist der Ausgangspunkt aller ethischen Überlegungen zum Miteinander von Mensch und Natur die Geschöpflichkeit allen Lebens auf dieser Welt. Der Mensch ist nicht der Herr über die Schöpfung, sondern ein Mitgeschöpf – zugleich kommt dem Menschen eine besondere Verantwortung für die Schöpfung zu. Das lässt sich mit der Puppe, die zusammengesetzt ist, in der es aber unzählige einzelne Puppen gibt – die Teil eines großen Ganzen ist – am ehesten symbolisieren.“

 

Delegiertenversammlung und Wahlen

Am Nachmittag fand die Delegiertenversammlung als höchstes Beratungs- und Entscheidungsgremium des LJV statt. Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann und Hauptgeschäftsführer René Greiner führten gemeinsam durch das Geschäftsjahr 2024. Nach der Entlastung des LJV-Präsidiums, anschließend des Schatzmeisters sowie der Genehmigung des Wirtschaftsplans 2026 stimmten die Delegierten über eine Festsetzung des Beitrags an den LJV in zwei Stufen ab. Der Erhöhung des Beitrages ab dem 01.01.2027 in Höhe von 15 Euro stimmten die Delegierten zu. Die zweite Stufe, eine weitere Erhöhung des Beitrags ab 2031 in Höhe von 10 Euro, wurde abgelehnt. In den darauffolgenden Wahlen folgte der Landesjägertag dem Wahlvorschlag des Präsidiums und wählte das Präsidium mit weitgehender personeller Kontinuität.