Der erste Schnee ist gefallen, der Vollmond erscheint am Abendhimmel und erhellt die Nacht erneut zum Tage. Die klirrende Kälte brennt auf den Wangen und macht anwechselndes Wild bereits von weit her hörbar. Im warmen Ansitzsack eingemummelt, Hände und Ohren von in den Vorjahren selbst erbeuteten Bälgen gewärmt, trotzt der Raubwildjäger vielen kalten Nächten, um erneut reife Bälge zu strecken.
So oder so ähnlich könnte der Traum vieler passionierter Raubwildjäger im Ländle aussehen. Die Realität hingegen sieht zumeist ganz anders aus. Temperaturen von teils 15 bis 20 °C bis Ende Oktober oder teilweise sogar weit in den November hinein, Dauerregen statt Schnee während der Mondphasen den gesamten Winter über – kurz gesagt: das genaue Gegenteil einer traumhaft kalten Schneenacht bei Vollmond. Dennoch werden die Bälge ab November nach und nach reif, auch wenn die milderen Temperaturen die Qualität der Bälge negativ beeinflussen. Für den Eigenbedarf spielt diese Tatsache häufig eine untergeordnete Rolle, der Fellhandel hingegen nimmt aus diesem Grund meist erst Rohware aus Höhenlagen ab 800 Metern aufwärts. Die Zeiten, in denen sich so mancher Jäger ein neues Zielfernrohr oder gar ein neues Revierfahrzeug durch die Jagd auf Raubwild erwirtschaftet hat, sind Geschichte. Seit Jahren gewinnt der Artenschutzaspekt zunehmend an Gewicht, spätestens seit der rasanten Ausbreitung des Waschbären.
Revierübergreifende Artenschutzwochen sollen diesem Gedanken auf großer Fläche gerecht werden. Doch bei der Bejagung im Sinne des Artenschutzes ist die Balgverwertung zweitrangig. Wer den Balg verwerten möchte, sollte nur Raubwild von Mitte November bis Ende Januar streifen, bereits ab Mitte Februar sinkt die Qualität der Bälge in den meisten Jahren bereits rapide. Waschbären sind zudem in dieser Zeit kaum aktiv, was die Bejagung erschwert. Ein weiterer Punkt ist, dass bei den Artenschutzwochen das erlegte Raubwild meist ein bis zwei Wochen lang für ein gemeinsames Strecke legen gesammelt und möglicherweise nicht optimal gelagert wird, was eine Verwertung nahezu ausschließt.
Bei den traditionellen Artenschutzwochen bejagen Jägerinnen und Jäger revierübergreifend gezielt Beutegreifer wie Füchse, Waschbären und Marder, zum Schutz von seltenen Arten wie Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche. Im Sinne des Artenschutzes ist eine ganzjährige Raubwildbejagung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten unerlässlich. Ergänzend dazu finden die Artenschutzwochen vor der Brut- und Setzzeit und zum Ende der Jagdzeit auf Beutegreifer statt, um so einen nachhaltigen Effekt für Bodenbrüter und Feldbewohner zu erzielen. Betrachtet man die Raubwildbejagung unter dem Aspekt des Artenschutzes, so wird einem schnell klar, dass eine gemeinsame Ansitzwoche möglichst spät im Jahr stattfinden sollte, da die Fähen im Februar ihre Geheckbauten beziehen und danach nicht mehr abwandern. Mit diesem Wissen sollte der November nun für zwei Dinge genutzt werden, nämlich für die beständige Prädatorenbejagung in Ihrem Revier – mit dem Gewinn der ersten reifen Bälge – und für die Planung Ihrer revierübergreifenden Artenschutzwoche im Februar. Waidmannsheil.
Artenschutz
- Raubwildbejagung ganzjährig im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten unerlässlich
- Balgverwertung zweitrangig (!!)
- Artenschutzwochen bereits jetzt im November planen und möglichst spät im Februar durchführen
Balgverwertung
- Mitte November bis Ende Januar
- Hauptsächlich für Eigenbedarf
- Bälge salzen oder trocknen, am besten Rücksprache mit Ihrem Kürschner halten
- kleiner Schusskanal ist wichtig, zu nahe mit Schrot beschossenes Wild ist oft nicht verwertbar
Fangjagd
Die Fangjagd erfüllt beide Aspekte in vollem Umfang. Wir fangen ganzjährig Raubwild und haben in den Wintermonaten sauber erlegtes Raubwild ohne großen Ein- und Ausschuss.
Benjamin Gut

