Legt man Wert auf einen ausgeglichenen Rehwildbestand, wird man über den Einzel- oder Gruppenansitz das Gros der Strecke bereits im Spätherbst erfüllt haben. Sind noch ein paar Stücke zu erlegen, bietet sich das Sonntagsdrückerle an. Eine kleine, feine Jagd mit wenig Beunruhigung und der Chance, Rehwild selektiv bejagen zu können.
Hierfür werden kleinere Revierteile minimal beunruhigt. Ähnlich wie beim organisierten Gruppenansitz werden die Schützen sinnvoll zwischen den Einständen positioniert. Idealerweise werden hierfür bestehende Drückjagdböcke und andere Ansitzeinrichtungen genutzt, die an den Dunkelbrücken stehen. Leise angerührtes Rehwild wird als Schlüpfer diese annehmen, um in den nächsten Einstand zu wechseln. Selbst die Jagd von der Kanzel ist gut machbar, wird ja nicht auf flüchtiges Wild gejagt. Das eher vertraut zum nächsten Einstand ziehende Rehwild kann von den Schützen sauber angesprochen und selektiv erlegt werden.
Hierfür ist es wichtig, dass wenige Treiber – meist reicht eine Person – die Einstände sehr verhalten beunruhigen. Lautes „Hussa“ und „Hopp Hopp“ oder gar der Einsatz von Hörnern oder Rätschen sind hier fehl am Platz. Es genügt, hüstelnd oder redend in die Einstände zu gehen und im ZickZack-Kurs und in Spaziergänger-Lautstärke die Rehe auf die Läufe zu bringen. Optimal ist es, wenn lagerndes Rehwild nicht im Bett überrascht wird, sondern sich langsam auf die Störung einstellen kann. Ist der Treiber zu leise oder zu schnell und stolpert quasi ins Bett, werden die Stücke hochflüchtig abgehen.
Der Einsatz von Hunden ist in aller Regel nicht sinnvoll. Werden größere Flächen beunruhigt, genügt ein fährtenlauter Dackel, der das Wild langsam an die Schützen bringt.
Ist der jeweilige Revierteil durchgejagt, empfiehlt es sich, eine weitere halbe Stunde auf dem Stand zu bleiben, bevor es dann gesammelt in den nächsten zu bejagenden Revierteil geht. Oft wechseln Stücke wieder zurück. Durch die kurz angelegten Triebe wird eine rasche Wildversorgung garantiert, was der Qualität des erzeugten Wildbrets sehr zuträglich ist.
Nach dem Bergen und Versorgen und einer kurzen Besprechung geht es zum nächsten Standort. Der nächste Trieb sollte nicht zu nahe am bereits bejagten Standort sein, um noch nicht beeunruhigtes Rehwild anzutreffen.
Samuel Golter (LJV)
TIPPS AND FACTS
Warum Sonntags?
Die Samstage und oft auch Freitage im November und Dezember sind mit den „großen“ Bewegungsjagden belegt.
Max. 15 Teilnehmer!
Für den Sonntag gilt nach § 6 Absatz 2 des Feiertagsgesetzes in aller Regel ein Treibjagdverbot. Treibjagden sind per Definition Jagden, bei denen mehr als 15 Personen (Schützen und Treiber) teilnehmen.
Wenig bis keine Hunde!
Das Wild sollte ruhig und kontrolliert in Bewegung gebracht werden.
Kleine Revierteile und versetzt bejagen
Kleinteilig nacheinander und mit ausreichendem Abstand bejagen.
Schlechteres Wetter nutzen!
Das erfordert etwas Spontanität, allerdings sind dann häufig weniger Waldbesucher zu erwarten. Selbstverständlich muss immer auf die Sicherheit geachtet werden. Hinweisschilder an den Hauptwegen sind sinnvoll.
Beifang
Fuchs und Sau können immer kommen!

