Die gezielte Anlage von Prosshölzern ist eine unkomplizierte und zugleich äußerst wirkungsvolle Möglichkeit, um für das Rehwild ein Äsungs- und Deckungsangebot zu schaffen. Durch das Setzen selbst gezogener Stecklinge entstehen Ruheinseln, die waldbauliche Maßnahmen entlasten und sogar zur Besucherlenkung beitragen können.
Wo können Prossholzflächen angelegt werden?
Als Instrument der Lenkung können Prosshölzer grundsätzlich überall dort angelegt werden, wo dem Rehwild zusätzlich Äsung und Deckung angeboten werden soll. Neben ausreichend Bodenfeuchtigkeit muss bei der Standortauswahl auf ausreichend Licht geachtet werden.
Rückegassen werden nur allzu häufig von Mountainbikern, Wanderern und anderen Naturbesuchern genutzt, um den Wald abseits der offiziellen Wege zu erkunden. Mit schnell und dicht wachsenden Prossholzarten lässt sich eine natürliche Barriere an den Abgängen der Waldwege in die offen gelassenen Rückegassen schaffen. Dies sollte freilich nur dort geschehen, wo Störungen bewusst minimiert werden sollen. Im Waldsaumbereich kann die Struktur erheblich aufgewertet werden. Rehwild hält sich hier besonders gerne zum Äsen auf, auch und vor allem, weil die eher lichteren Bedingungen nahrhafte Äsung hervorbringen.
Ehemalige Holzpolterflächen bieten meist genug Licht für ein schnelles Wachstum der Hölzer. Auch zur Einrahmung von Wildäckern und -wiesen als Sichtschutz eignet sich dieses Verfahren sehr gut.
Immer gilt: Rücksprache und Einverständnis mit dem Grundstückseigentümer und Bewirtschafter ist nötig, bevor man die Stecklinge ausbringt. Diese Holzarten müssen regelmäßig, spätestens alle drei Jahre auf Stock gesetzt werden, um ergiebig Neuzuwachs zu produzieren und nicht zu hoch zu werden. Abgeschnittenes Astmaterial bietet weiterhin Deckung und Äsung für die Wintermonate. Werden die Rückegassen vom Bewirtschafter erneut befahren, ist der entstandene Bewuchs schnell entfernt und treibt in aller Regel wieder aus.
Welche Baumarten sind geeignet?
Salweide (Salix caprea) und Küblerweide (Salix smithiana) eignen sich sehr gut für die Stecklingsvermehrung. Besonders die Küblerweide gilt als beliebte Äsungspflanze des Rehwilds. Als weitere Art, die mit Schnellwüchsigkeit punktet, ist die Pappel zu nennen. Mischt man die Prossholzarten innerhalb der Gruppen, wird man schnell merken, welche Art besonders gerne beäst wird. Ein weiterer Vorteil ist die stufige Wüchsigkeit.
Wann und wie können die Stecklinge ausgebracht werden?
Gebietstypische Prossholzarten findet man meist im eigenen Revier. Häufig sind diese in Feuchtgebieten oder entlang Bachläufen zu finden.
Idealerweise werden fingerdicke, 20 bis 30 cm lange Stecklinge vom einjährigen Holz bereits vor dem Austreiben geschnitten und ausgebracht. Hierbei ist auf ausreichend Bodenfeuchte zu achten. Die Stecklinge sollten zu 2/3 im Boden stecken.
Alternativ kann auch bereits angetriebenes Holz geschnitten werden. Die Stecklinge sollten dann aber in einem dunklen Gefäß mit Wasser vorgetrieben werden, damit diese bereits mit vorhandenem Wurzelansatz ausgebracht werden können.
Samuel Golter (LJV)

